ÜBER
DEN GOTT EROS.
GELESEN IN DER KÖNIGL. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ZU BERLIN
AM 20. JULI 1848
VON
EDUARD GERHARD.
MIT FÜNF KUPFERTAFELN.
BERLIN.
GEDRUCKT IN DER DRUCKEREI DER KÖNIGL. AKADEMIE
DER WISSENSCHAFTEN.
1850.
i
L
2 9-
Gr 3 i M.
/ lt |C T?
Xm Zusammenhang griechischen Götterwesens bleibt der Liebesgott Eros
eine nicht minder wichtige als räthselhafte Gestalt (’). Dem erhabenen Lob,
welches Plato(2) und Sophokles(3) begeistert ihm spenden, steht bis zu den
spätesten Dichtern des Alterthums hinab die Schilderung seiner unwider-
stehlichen Macht gegenüber, und -wenn man die Begriffe, die dabei in An-
schlag kommen, analysirt, so umfassen sie jeden Bezug auf Welt und Men-
schenleben, mit gleicher Huldigung für Eros als Schöpfer des Weltalls wie
für Eros als regsamen Führer der sterblichen Menschen, dem jeder edelste
Wettstreit aber auch die unwürdigste Verführung dann und wann beigelegt
wird. Wie viel von diesem inneren Widerspruch den Philosophen und
Dichtern allein zu Schulden komme, und wie viel im Mittelpunkt alter Be-
ligion dem Gott Eros selbst angehöre, ist eine kaum hie und da angeregte
und erst im Zusammenhang geschichtlicher Forschung über des Gottes We-
sen und Bedeutung zu lösende Fi’age. Mehrere allgemeine Grundsätze my-
thologischer Forschung müssen der Beantwortung dieser Frage vorangehn.
Zu solchem Behuf erinnern wir uns, wie in den Religionen des
Alterthums alle Göttermacht auf der Götter Botmäfsigkeit über die erschaffne
Natur beruht; erst auf den Grund dieser Herrschaft ist auch der sterbliche
Mensch den Göttern unterthan. Nächstdem erwägen wir, wie alle hochge-
stellten Gottheiten des Alterthums, jede von ihnen im Lande oder Volks-
stamm auf den sie ursprünglich beschränkt war, zugleich als schöpferische
und als regierende Mächte bezeugt sind, und machen von diesen beiden
Grundsätzen sofort unsre Anwendung auf den Gott Eros. Etwa wie Zeus
der Erretter und Zeus der Besitzgott einem und demselben auf Naturmacht
A
6
2
Gerhard
wurzelndem Götterbegriff angehören, giebt auch Eros im Allgemeinen als
ursprünglicher Naturgott, nächst diesem seinem Grundbegriff aber einerseits
als Schöpfer des Weltalls, anderntheils als belebender Naturtrieb der geord-
neten Schöpfung sich kund. Diese Gesammtidee des thespischen Gottes,
welcher die Gegensätze des ältesten und des jüngsten, des himmlischen und
des irdischen, des hesiodisch- orphischen und des anakreontischen, des selb-
ständigen oder des an Aphrodite geketteten Eros durchgängig sich unter-
ordnen, haben wir nun im Einzelnen nachzuweisen. Was uns hiebei haupt-
sächlich entgegensteht ist der jede andre mythologische Entwickelung über-
bietende Umschwung, den Poesie und Philosophie von der frühesten bis in
die späteste Zeit auf den Begriff dieses beliebtesten aller griechischen Götter-
wesen geäufsei't haben. Weder die rein poetisch gebliebne Vervielfältigung
des Eros in eine unendliche Vielzahl gleichartiger Flügelknaben (4), noch
auch der daran geknüpfte Begriff tändelnder Liebesverführung darf, wo der
eigenste Sinn dieses Gottes erforscht werden soll, voreilig in Rede kommen,
und wenn ein doppelter(5) oder dreifacher (6) Eros im Eros, Pothos und
Himeros(7) altgriechischen Tempeldienstes allerdings wohl begründet ist,
so müssen doch Ausführungen dieser Gegensätze, selbst wenn sie vom gött-
lichen Plato stammen — , es mufs die Trennung des himmlischen und des
irdischen Eros (8) nicht weniger als die Paarung von Eros und Anteros, seine
allegorische Abkunft von Poros und Penia(9) eben so sehr als die mythische
von Aphrodite für den Zweck dieser Abhandlung vorerst in den Hintergrund
treten.
Unerwähnt bei Homer, ist Eros zuerst aus Hesiods kosmogonischer
Auffassung (10), nebenher aus der davon unabhängigen Lobpreisung bekannt,
durch welche ihn der askräische Sänger gleich andern Gottheiten seiner
Heimath hervorhebt(u). Der hochgestellte Erosdienst seiner Nachbai’stadt
Thespiä mochte besonderen Anlafs dazu gegeben haben, und glücklicher
Weise ist die Beschaffenheit dieses rein hellenischen (12) Dienstes uns nahe
genug bekannt, um einerseits die universelle Bedeutung des Eros als
Schöpfungsgottes, anderntheils seine Geltung als Kampf- und Liebesgott,
beidemal ohne Beziehung auf Aphrodite , daran knüpfen zu können. Im
böotischen Thespiä(13), dem als heilige Stätte des Eros höchstens das stamm-
verwandte Parion(14) zur Seite stehn kann, ward Eros als roher Stein, also
in altbekannter pelasgischer Weise derjenigen ähnlich verehrt, welche für
über den Gott Eros.
3
alle ältesten Gottheiten Griechenlands üblich war und in den viereckten
Pfeilern des Hermes, wie in der Säulenbildung des Apollo Agyieus, auch
späterhin üblich blieb. Der Begriff schöpferischen Naturtriebs, der aus
dieser letzteren Gottheit spricht, ist auch für Eros nachweislich; ohne dem
thespischen Stein die öfters für ihn vorausgesetzte phallische Form(15)
ohne Weiteres zuerkennen, oder durch späte Analogien den Eros zum
phallischen Gott gleich Hermes steigern zu wollen (16), haben wir doch der
sophokleischen Lobpreisung Eros des Heerdengottes und neben andern dar-
auf bezüglichen Spenden auch einem Dichterzeugnifs zu folgen, laut wel-
chem Eros von Kypros her im neuen Lenz als der Erde Besamer(17)
erwartet wird, eine Geltung mit welcher auch die fünfjährige Wiederkehr
seiner Feste (1S) wohl stimmt. Der damit ausgesprochnen Naturbedeutung
des Gottes konnten die ältesten Nalursymbole, Phallus sowohl als Schlange(19),
nicht schlechthin fremd sein; doch blieb deren Anwendung jener reinen
Göttlichkeit untergeordnet , vermöge welcher Eros von allen griechischen
Göttern nur im Apoll seines Gleichen findet. Wie sie in unbewufstem Tief-
sinn aus des Praxiteles Marmor strahlte (20), hatte der Volkssinn in reinen
Strömungen ihren Ausdruck gefunden: im Haine des Erostempels zu Leuk-
tra ward der durchfliefsende Strom durch kein Winterlaub befleckt^1), und
r in Thespiä, wo Narkissos durch spiegelnden Quell zur lieblosen Selbstbe-
schauung verlockt ward(22), waren die Sängerinnen helikonischer Quellen,
die Musen, dem Dienst des Eros verbündet (23).
Aber nicht blos diese Quellnvmphen harmonischen Gesangs, von
deren Götterstimme Thespiä (24) benannt zu sein scheint, auch die gleichfalls
böotischen Göttinnen aller Lebensharmonie, die Chariten, standen mit Eros
in Verhältnifs(25) und wie das Naturgefühl alles aufwärts sprossenden leib-
lichen und geistigen Triebes in ihm sich aussprach, stand Eros auch mit den
Mächten der Erdkraft(26) im Bunde. Von der Idee der Weltschöpfung, die
er ausfüllte, war auch der Begriff von Erde und Unterwelt nicht zu trennen,
und wenn dieser Begriff vor aller Fülle der Lebens- und Liebeskraft, die
Eros darstellt, gemeinhin zurücktritt, so ist er darum doch keineswegs unbe-
zeugt. Der unsichern Annahme zu gesclmeigen , als sei beim Trophonios-
dienst von Lebadea auch Eros betheiligt gewesen (27), ist aus den vornehm-
sten Orten des Erosdienstes, aus Thespiä (2S) sowohl als aus Parion(29),
cerealischer Dienst bezeugt, und wie dort die Verknüpfung beider Kulte
4
Gebhard
durchaus wahrscheinlich ist, sind auch Bezüge des Eros zur eleusinischen
Feier, dem Verhältnis Athens zu Thespiä entsprechend, aufser Zweifel (30);
sonstige Bezüge desselben Gottes zu Demeter und der Göttermutter treten
hinzu(31), wie denn hauptsächlich auch der samothrakische Göttername Axi-
eros, der dem Eros gleichlautend von Mnaseas auf Demeter gedeutet wird (32),
den Beweis jener Wechselbeziehung vollenden hilft. Mit solchen Götter-
mächten selbständig verbunden und in der einfachsten Form bild- und
namenlosen pelasgischen Götterwesens hochgefeiert, hatte der thespische
Naturgott gerechten Anspruch für älter als andre Naturgottheiten, für
einen Gott unbekannten Ursprungs so lange zu gelten, bis Dichterstimmen,
wie Sappho Simonides Ibykos sie ihm boten, in Chaos Uranos Kronos die
einzigen Mächte verkündeten, die einen so gewaltigen Gott an Alter zu
überbieten vermöchten (33), dagegen denn, um auch ihr überschwengliches
Wissen als ungenügend zu entkräften, der neu begeisterte Glaube an Eros
als ewig jungen Lebens- und Liebesgott mit der Versicherung ihnen ent-
gegen trat, dafs Eros von allen Göttern der jüngste sei(34). Vom Ruhm
dieses wundersamen böotischen Gottes erfüllt, blieb die priesterliche Poesie
Böotiens in seiner Verherrlichung nicht zurück : während sie einerseits dem
Volksglauben entsprechend in Eros einen Weltschöpfer(35) und Weltord-
ner(36), gleich Zeus Apollo und Kadmilos-Hermes, in seiner Lyra das Sinn-
bild der Weltharmonie , in Bogen und Fackel das Sonnen- und Lebenslicht
verkündete (37), und mit aller Fülle des Schöpfungsgottes vermutblich auch
alle Gewalt eines Lebens- und Todesgebieters ihm beimafs, liebte sie an-
dererseits den geheimnifsvollen Ursprung des vater- und mutterlosen Eros
durch seine Geburt aus einem Weltei, gleich Phanes und gleich Protogonos-
Erikapäos(38), sich auszumalen und auch die mannweibliche Bildung(39)
asiatischer Urwesen auf Eros zu iibei'tragen.
Unberührt wie von schwächendem Sinnenreiz so auch vom subtilisi-
renden Tiefsinn orphischer Theologie, stellt der thespische Eros in aller
belebenden Frische und Selbständigkeit des hellenischen Geistes sich dar.
In den sinnvollen Festgebräuchen jener Stadt war jener lebenskräftige Na-
turgott, den Hesiod als schönsten und unwiderstehlichsten aller Götter,
aber auch als Sorgenbefreier uns vorführt, während Beinamen seines Dien-
stes als königlichen und Freiheitsgott ihn bezeichnen (40), ein durchgängiger
Führer und Vorstand leiblicher und geistiger Ausbildung geworden, wie er
über den Gott Eros.
5
in mehreren Städten Böotiens und eben so in Kreta, Samos und Sparta
es blieb (41). Gefeiert im Sinn der Eleutherien von Platää und des orcho-
menischen Charitenfestes (42) war Eros ein Gott des Kampfes in Krieg
und Frieden — , ein Beschützer der zum Kampf und zu sonstiger Einigung
mit einander verbrüderten Liebenden, wie Theben hauptsächlich als heilige
Schaar sie kennt und Opfer unmittelbar vor der Schlacht dem Eros gewid-
met (43) es bezeugten, aber auch ein Gott der durch verbündeten Kampf
gesicherten Freiheit und, wenn er die Waffen abgelegt, der einträchtigen
Staatsgewalt, die in öffentlichen Gebäuden sein Bild zur Schau trug(44).
Jener Verbrüderung zum Kampfe für Freiheit und Vaterland stand nun Eros,
der angestammte grofse Naturgott des Landes, zunächst als der Gott geselli-
ger und gesitteter Neigungen vor: die griechische Männerliebe, die unter
seinem Schutze gepflogen wrard , stand bis auf die Zeit der Pisistratiden in
unbescholtenstem Ruf, und von Unsittlichkeit vollends der thespischen Eros-
feste ist kaum aus spätester Zeit ein sicheres Zeugnifs vorhanden (45). Wohl
aber mochte sowohl die Reinheit ihrer Verbrüderung als auch die unwider-
stehliche Gewalt mit welcher die von Eros beschützten Liebenden fürs
Vaterland kämpften, ihnen die hohe Anerkennung gewähren, durch welche
in dorischen Staaten kein edler Jüngling seines Liebenden hätte entbehren
mögen — , eine Volksansicht, die auch in mythischer Form aus der böoti-
schen Heimath des Erosdienstes uns vorliegt, nämlich in der Narkissossage,
die eines blühenden Jünglings Untergang durch lieblose Selbstbespiegelung
meldet.
Als F estgebräuche zu Ehren des thespischen Eros werden musische
sowohl als auch Wraffenkämpfe erwähnt(46). Die bevorzugte Gattung dieser
letzteren ist ohne Zweifel uns angezeigt, indem uns Leyer und Bogen
als gültigste Attribute des Eros bekannt sind(47). An den rohen Götter-
stein geheftet (48) mochten sie ursprünglich jenem doppelten Wettkampf
gelten, dessen athletische Hälfte wir zumal im Zusammenhang kretensischer
Erosfeste ohne Befremden als Schützenübung (49) und als den Anlafs uns
denken dürfen, warum das schöne Symbol der Lyra dem Eros verhältnifs-
mäfsig selten (50), das Beiwerk des Bogens (51) aber zugleich mit palästrischer
Jugendbliithe (52) seinen berühmtesten Darstellungen gegeben ist. Anlässen
sonstiger Art ist ein drittes für Eros nicht minder bezeugtes Attribut, das
der F ackel(53) beizumessen, deren symbolischer Bezug auf blühendes oder
B
6
Gerhard
erloschenes Lehen, wie sie auf- oder abwärts gekehrt den Eros zum Lebens-
oder Todesdämon gemacht hat, ohne Zweifel später ist als die zunächst
liegende Bedeutung nächtlicher Feier. Eine solche dem Gott thespischer
Wettkämpfe beizumessen sind wir durchaus nicht berechtigt; wohl aber konn-
ten an gleichem Ort aphrodisischer(54), oder noch füglicher der schon oben von
uns berührte cerealische, Götterdienst den Eros in gleicher Weise erscheinen
lassen wie anderwärts der eleusinische Jacchos als Fackelträger und als licht-
bringender Stern der Erdgöttin und ihren Festen leuchtet (55). Begünstigt
wird eine solche Ableitung des fackeltragenden Eros auch durch die Flü-
gelbildung, die ungefähr seit der sechzigsten Olympiade bekanntestes
Merkmal dieses Gottes geworden sein mag(56) und für den Begriff des
Eros, wie er allmählich sich festgestellt hatte, sehr ausdrucksvoll ist. Der
stürmische Luftschritt, den ihm die Flügel gewähren, steht ihm als Kampf-
gott wohl an und ist in solcher Geltung dem personificirten Agon(57) ge-
blieben — , ferner reiht der erst spät entwickelte , aber in Vergötterungen
des Luft- und Frühlingshauchs , wie Erikapäos(58), vielleicht schon früher
begründete Begriff eines die Luft durchgaukelnden Liebesgottes (59) sammt
der darauf begründeten Abstammung von Zephyros und Iris(60) demselben
Gedanken des wehenden, stürmenden, säuselnden Geistes sich an, dessen
Offenbarung durch Eros zugleich mit der Winde Gemeinschaft schon Kronos
erzeugt haben sollte (61). Streng genommen sind jedoch weit weniger Gründe
vorhanden dem Eros, einem ursprünglich sehr selbständigen Gott, jene
zuerst vielleicht aus beflügeltem Phallen (62) entstandne Beflügelung beizu-
legen als den mancherlei anderen Götter- oder Heroenwesen, deren dämo-
nische Kindsgestalt nur in Zusammenhang mit sonstigen Götterdiensten, cere-
alischen oder auch aphrodisischen, in Jacchos Triptolemos Plutos Adonis
und Phaethon(63), sich nachweisen läfst, und es drängt daher, die regel-
mäfsige Beflügelung des Eros zu erklären, vielmehr die Vermuthung sich
auf, als habe in Übereinstimmung dortigen Kunstgebrauchs (64) dasselbe
Korinth ihn mit Flügeln zuerst ausgestattet, welches, wie wir gleich näher
erweisen, auch als aphrodisischen Fackelträger zuerst ihn uns kennen lehrt.
Hiemit sind wir denn auf einen Standpunkt der Untersuchung geführt,
auf welchem des Eros Verhältnifs zur Liebesgöttin Aphrodite, richtiger
als die gewöhnliche Ansicht es auffafst, festgestellt werden kann. In Wi-
derspruch mit dieser Ansicht und mit dem ihr verknüpften Irrthum als seien
über den Gott Eros.
7
beide Gottheiten von Anfang an unzertrennlich verbunden gewesen, fanden
wir, dafs der älteste Erosdienst auch unabhängig von andern Gottheiten
bestand , ferner dafs unter den ihm nachweislichen Götterverbindungen
nächst Musen und Chariten nicht sowohl aphrodisischer als vielmehr cerea-
lischer Dienst sich kund gibt, wonach denn mit Sicherheit sich vermuthen
läfst, dafs die aus ältester Kultusform unbezeugte Verbindung des Eros
mit Aphrodite erst aus der Analogie dieser Göttin mit der ihr so oft
gleichgeltenden cerealischen Kora(6j) entstanden sein mag. Somit wird es
begreiflich wie noch bei Phidias Eros als selbständiger Gott Aphro-
diten bei ihrer Geburt empfingt), ohne Zweifel in der erwachsenen
Bildung(66), die auch als Tempelgenossen der Chariten (^) und selbst der
Glücksgöttin (c) ihm zustehen mochte, und wrenn Theognis den Eros als
beglückenden Frühlingsgast von Kypros her erwartet (67), so ist diese zu-
gleich dem dortigen Aphroditedienst geltende Hinweisung vermuthlich eben
auch wieder als Gleichstellung beider Gottheiten zu verstehen. Dagegen
verkündete schon Parmenides den Eros als erste Schöpfung Aphroditens,
und es ward Dichterbrauch die hohe Gewalt der Liebesgöttin zuerst in
Liebeserregung, mythisch ausgedrückt in des Eros Geburt durch Aphro-
dite, zu preisen (68), wonach dann bei Plato es feststeht dafs Aphrodite
nicht ohne Eros zu denken sei(69), und umgekehrt ein selbständiger von
Aphrodite ganz unabhängiger Eros aus dem späteren Alterthum, namentlich
in Kultusbeziehungen, fast unbezeugt ist (70) .
In altem Tempeldienst scheint diese Verbindung des Eros mit
Aphrodite nicht sowohl spät erfolgt zu sein, als vielmehr der vereinzelten
Auffassung gewisser Kulte anzugehören, durch deren Ansehn beider Götter
Gruppirung bis zur Verdunkelung des früheren Verhältnisses durchdrang.
Es geschah dies in Folge jenes schon oben berührten Entwickelungsganges
des griechischen Polytheismus, der bald eine männliche Gottheit bald eine
weibliche zur Hauptgottheit machte und zu deren Verherrlichung mit sonsti-
gem Götterpersonal sie umgab. Der selbständige Erosdienst, der in Thespiä
seine würdigste Stätte gefunden hatte, liefs eine sonstige Götterumgebung,
zumal von höherer Geltung, nicht leicht zu, wie ja auch die Dienste des
Zeus, Apollo und Hermes zu einer Beisitzerin erst allmählich gelangten (7I).
Während nun aber in solchen Erosdiensten ältester Art die reife Jünglings-
gestalt des thespischen Gottes nur mit den spendenden Mittelspersonen seiner
B2
8
Gerhard
Gotteskraft, mit Tyche oder mit Musen und Chariten, verbunden erschien,
zeigt ein gleichbenannter Gott sich als beflügeltes Kind im dämonischen Dienst
einer Göttermutter, welche, vermuthlich aus asiatischer Wurzel, unter ver-
schiedner Benennung den Eros mit sich führt. Eine solche Göttermutter
ist nicht nur wiederum die hie und da auch von Eros als Knaben begleitete
Glücksgöttin Tyche (72), sondern auch und hauptsächlich die als Mutter des
Eros von Oien besungene, in Delos und auch in Athen verehrte Schicksals-
weberin Ilithyia (73) , eine Göttin welcher theils die von Cicero als
Mutter des ältesten Eros gekannte A rtemis - Hekate (74), theils in der
That auch Aphro dit e(75) gleich kommt, sofern deren delischer(ß), atti-
scher^), karischer(c) Dienst auch diese Göttin als uralte und von einem
Knäblein begleitete Schicksals -Göttin uns kennen lehrt. Nicht minder
unzweifelhaft ist diese letztgedachte Verbindung Aphroditens mit einem
Knaben aus dem bereits mehrbesprochenen samothrakischen Verein einer
mit Phaethon gepaarten und von Pothos begleiteten Aphrodite (76), ein Verein
den man zunächst auf Umgebung der Göttin durch zwei gleichartige Dämo-
nen (77) zu deuten geneigt ist, der aber im Tempelbild einer berühmten drei-
fachen Herme (78), der samothrakischen Trias von Dionysos Kora und Her-
mes beigeordnet, als Verein Aphroditens mit Apollo und Eros sich kund-
gibt— , Gottheiten von denen dieser dem Pothos gleichgilt, Apollo aber dem
Phaethon so gut als dem Helios entspricht (79), Apoll mit der kosmischen
Lyra, Eros mit der Mysterienfackel versehen ist. Nachweislich ist derselbe
Verein auch aus Münzen von Korinth (80), auf denen, wenn nicht in Zusam-
menstellung, doch in häufiger Vereinzelung, Helios sowohl als Aphrodite
erscheinen, und mit dieser letzteren dann und wann auch ein Eros gruppirt
ist; nachweislich aus Megara auch der ähnliche, in welchem Aphrodite, von
drei Gestalten des Eros, von Eros Pothos und Himeros, zugleich mit den
Chariten umgeben war(81).
Jenes unschätzbare Tempelbild einer gleichgeltenden oben und unten
vertheilten samothrakischen und korinthischen Götterdreizahl gewährt uns
zu weiterem Verständnifs unsres Gegenstandes, nächst der Nachweisung eines
fackeltragenden Eros im cerealisch-aphrodisischen Tempeldienst, hauptsäch-
lich die Gleichsetzung Aphroditens mit Persephone-Kora, des Eros aber mit
Hermes. Begriff und Abkunft des Eros ferner zu würdigen sind diese Götter-
verknüpfungen von erheblicher Wichtigkeit. Nachdem wir den Weltschöpfer
über den Gott Eros.
9
Eros sowohl im hesiodiseh - orphischen Gotte von Thespiä, als auch im
Flügelknaben kennen, der bald ein Mysteriendämon, bald nur ein Flatter-
geist ist, kann von der Möglichkeit kaum noch die Rede sein, den seit Plato
bezeugten Unterschied des himmlischen und des irdischen, des älteren und
des jüngeren Eros, auf zwei ursprünglich verschiedne Gottheiten zurück-
zuführen; auch die vielleicht asiatische (82) Flügelbildung des Eros kommt
zum Behuf solcher Trennung nicht in Anschlag, indem schon durch alte
Ableitung dafür gesorgt ist, eine wie die andre Person des Eros auf Her-
mes als Vater, auf Aphrodite als Mutter zurückzuführen. Cicero
Lactanz und selbst Kunstdenkmäler liefern die Belege hiezu (83), bei denen
vorausgesetzt werden darf, dafs Aphrodite in Bezug auf jenen zweifachen
Eros einmal als Schöpfungsgöttin Urania, das andremal als Alltagsgöttin
Pandemos, und eben so Hermes bald als phallischer Naturgott bald als
listiger Götterbote gedacht ward. Im Wechselspiel sonstiger Ableitungen
ist dies Verhältnifs verdunkelt: statt Aphrodite -Urania’s werden Ilithyia
Artemis Hekate (84), und eben so statt des Maiktgottes Hermes Zeus selbst
als allmächtiger Vater des unwiderstehlichen Liebesgottes genannt (85); nichts-
destoweniger aber bleibt als Ergebnifs aller dieser Stammsagen der unab-
weisliche Satz zurück, dafs des Eros Natur hauptsächlich durch Hermes
und durch Aphrodite begründet ist.
Was hiebei dem Hermes betrifft, so ist leicht zu erweisen, dafs Eros,
unbeschadet der genealogischen Ausführung, welche in ihm einen Sohn des
derben Zeugungsgottes verwandter Volksstämme erkennen liefs, eine dem
Hermes durchaus entsprechende und ursprünglich gleiche Gottheit ist. Zu-
vörderst sind beide Götter einander selbst etymologisch verwandt(86). Sie
fallen zusammen im Inselnamen Imbros, der zugleich ein heiliger Name des
Hermes und in der Nebenform Hitneros zugleich ein Doppelname des Eros
ist (87) , aber noch mehr im Begriff, indem beide Gottheiten dem Wettkampf
der Jugend in Leibesübung und Saitenspiel vorstehn, endlich auch in ge-
meinsamer Hermenform (88) und in der beiderseitigen Herkunft von einem
und demselben tyrrhenisch -pelasgischen Volksstamm, der in Samothrake
den Hermesdienst, in Parion aber und vielleicht auch in Böotien den Dienst
des Eros begründet hatte (89). Einer so wesentlichen Übereinstimmung ging
allerdings auch manche Verschiedenheit beider Gottheiten zur Seite, wie die
mannigfaltige Entwickelung stammverwandter Gegenden allzeit es zuliefs:
10
Gerhard
Eros erschien als allgemeiner Naturtrieb, Hermes als der zeugungslustige
Gott, dessen derbere Sinnlichkeit ihn demnächst auch als Vater des ältesten
Eros bezeichnen liefs, während der jüngste und volksmäfsigere vom olympi-
schen Göttervater mit Aphrodite erzeugt sein sollte (90).
Unzertrennlich geworden von Eros macht nun auch Aphrodite auf
unsre gründlichste Kenntnifs ihres Götterwesens Anspruch, wenn es uns
gelingen soll den gemeinhin so fest ihr verketteten Eros hinlänglich zu wür-
digen. Im Götterverein des samothrakischen dreifachen Hermenbildes fan-
den wir sie der Kora gleich; so sehr aber auch diese Gleichsetzung, nament-
lich aus Kunstdenkmälern bezeugt sein mag, in denen die wiedererstandene
schöne Cerestochter alle Gestalten und Reize der kyprischen Göttin in sich
vereinigt(91), so wrenig kann eine solche vielleicht willkürliche Ähnlichkeit
an und für sich die ursprüngliche Verwandtschaft beider Göttinnen beweisen.
Wohl aber ist auch die volle Begründung dieses Verhältnisses uns gestattet,
wenn wir Demeter und Aphrodite in mehr oder weniger offenkundig ver-
bundenen Götterdiensten aus Samothrake und Lemnos, aus Korinth und
Sikyon, aus Argos und anderen Orten naclwveisen können (92), und wenn
überdies auch der Umstand erwogen wird, dafs beide Göttinnen seit frühe-
ster Zeit ihren dämonischen Lieblingsknaben, Demeter ihren Jacchos, Aphro-
dite in Kypros ihren Phaethon hatte (93). Bei so alten und weitausgedehnten
Berührungen cerealischen und aphrodisischen Götterwesens und Götter-
dienstes, wird nun auch die unteritalische' Auffassung verständlicher, laut
welcher Kora, die Tochter Demeters und mystische Gemahlin des Dionysos,
durchgängig als eine vereinigte Aphrodite-Kora erscheint, und was den ihr
vei’knüpften Mysteriendämon(94) betrifft, so liegt es vollends am Tage,
dafs diesen anschaulich zu machen keine andre Person und Bildung geeigneter
war als die für Demeter sowohl als für Aphrodite genehme, nachgehends
auch mit Dionysos befreundete (95), des beflügelten Eros. Indem aber die-
ser, mehr oder weniger knabenhaft, im Bilderkreis mystischer Darstellungen
die Dionysosgemahlin sammt deren Gemahl und sammt dem Kreis der Bac-
chanten und Mysten umgaukelt, hat die sophistische Mysterienweisheit, die
jenen Bildern zu Grunde liegt, ihm noch eine andere Eigenschaft beigelegt,
welche den wunderbaren Mysteriendämon Eros dem ihm gleichnamigen
Weltschöpfer gleichstellt — , wir meinen die Eigenschaft mannweiblichen
Doppelgeschlechts.
über den Gott Eros.
11
Dieser Hermaphroditismus des einfach (96) oder auch mehrfach (97)
gedachten mystischen Eros ist aus orphischer Auffassung, des Eros und
Dionysos sowohl als auch andrer verwandter Götterwesen, zwar hinlänglich
bezeugt (98), in dem Umfang jedoch und in den cerealisch-bacchischen Be-
zügen, welche jene Mysterienbildnerei Unteritaliens ihm anweist, weder
durch deren vermuthliche Herkunft aus attischem Einflufs ("), noch auch
durch sonstige Analogien griechischer Kulte hinlänglich erklärt. Im Allge-
meinen sind wir berechtigt jenes durch orphische Lehren viel verbreitete
Doppelgeschlecht einzelner Götterwesen auf Rechnung der ausländischen
Einflüsse zu setzen, welche von Asien her vermittelst der thrakischen Stämme
in Griechenland nur allmählich und in geschlossenen Kreisen sich geltend
machten (10°), und da in Griechenland Attika der willfährigste Mittelpunkt
solcher ausländischen Einwirkung war, so gewinnt die an und für sich nur
lose begründete Verwandtschaft attischer und unteritalischer Kunst durch
jenen dem ältesten Griechenland fremden Hermaphroditismus um so eher
eine Bestätigung, je weniger wir ein sonstiges unmittelbares Verhältnis grie-
chischer Kulte zu irgend einer jener von Haus aus androgynen Religionen
in griechischer Mitte anzunehmen befugt sind. Den hermaphroditischen
Eros beti’effend, so ist aufser seiner durch Attribute bacchischer und aphro-
disischer Geltung (l01) augenfälligen Bedeutung der Umstand besonders
wichtig, dafs jene derbe Sinnlichkeit, in welcher die kyprische Bartgöttin
und ähnliche Gottheiten eine überschwengliche Naturfülle anzeigten, ihm
durchaus fern liegt. Wohl vereinbar mit der Idee wechselnder Mondes-
kraft, welche allen uns bekannten hermaphroditischen Bildungen ursprüng-
lich inwohnt (102), ward zum Behufe der Kultusbilder bald die derbere
Männlichkeit syrischer, sabazischer und kyprischer Idole(103), bald die
weichlichere Natur des phrygischen Deus Lunus oder Mensis und jene gang-
barste Hermaphroditenbildung beliebt, die bei übrigens weibischem Körper-
bau eine schlaffe und unentwickelte Männlichkeit zeigt (104). Gewifs würde
man Unrecht thun dieses den Künstlern willkommene Naturspiel lediglich
auf Rechnung einer verzärtelten Kunstrichtung zu stellen, da es ursprünglich
vielmehr bestimmt war vom doppelkräftigen Erd- und Mondgeist bestehender
Naturordnung den doppelfähigen stets in neuer Entwickelung begriffenen
Weltgeist zu unterscheiden, dessen geheimnifsvolles Walten den hei’rschen-
den Göttern dämonisch zur Seite steht. Der hesiodische Weltschöpfer Eros,
12
Gebhabd
welcher dem Chaos zur Seite als erster Naturtrieb alle Zeugung hervorruft,
ohne unmittelbar und selbst zu zeugen (105), ist in seiner ältesten Bedeutung,
doppelgeschlechtig ohne Zeugungskraft, hier fortgeführt: wie im Anbeginn
der Dinge haucht er, bevor die Zeugung beginnt, der Welt Odem ein und
entspricht in dieser Bedeutung offenbar der räthselhaften Stellung, in welcher
das herrschende mit Dionysos und Kora gleichgesetzte samothrakische Göt-
terpaar einer Urgottheit des Weltodems nachsteht, welche als Eros im enge-
ren Sinn Axi-Eros, das heifst „Ehren -Eros”, genannt und durch Gleichsez-
zung mit Demeter zugleich für männlich und weiblich erkannt ist.
Wechselnde Auffassungen konnten bei so geheimnifsvoller Bedeu-
tung und Bildung nicht fehlen. Die hermaphroditische Jünglingsbildung,
welche beflügelt als Eros erschien und durch satyreske Merkmale zuweilen
ins bacchische Wesen hinüberspielt (106), ward auch als bildlicher Ausdruck
des mystischen Dionysos-Jacchos passend befunden (107) ; daneben aber fiel
diese Jünglingsbildung durch die bekannte, in der Geburt aus dem Weltei
auch orphisch begründete Kinds gestalt desselben Gottes wieder weg.
Durch ein so augenfälliges Wechselspiel zwei gleich bezeugter Bildungen des-
selben Gottes und der ihnen zu Grunde liegenden Sagen wird uns das Räthsel
erklärlich, wie die Urgottheit Axi-Eros zugleich einen Eros besagen und
eine Erdgöttin Demeter bedeuten konnte: entweder ein Eros in reifer her-
maphroditischer Bildung ward jener Gottheit entsprechend befunden oder,
wenn Eros vielmehr für ein kaum geborenes Knäblein galt, eine ihn tragende
Urgottheit höherer Potenz, auf welche der Hermaphroditismus des ersten
Weltkeims nicht mindere Anwendung fand. Es wird uns ferner die Marmor-
gruppe des Flügelknaben verständlich, den ein Hermaphrodit trägt (108).
Dieser Hermaphrodit darf an die delische Mutter des Eros erinnern, deren
mit Aphrodite wechselnder Name Ilithyia auch in der männlichen Form
Ilith yios(109) sich findet; wahrscheinlicher aber ist Axi-Eros und als Mini-
strant dieser Gottheit ein Flügelknabe gemeint, dieses um so wahrschein-
licher, da das bacchische Götterpaar, dem dieser huldigt, die vollständige
Vierzahl samothrakischer Göttinnen in eigenthümlicher Weise von neuem
uns vorführen hilft (110).
So sehr wir nun auch geneigt sind in jenen hermaphroditischen Bil-
dungen, die des Eros nicht ausgenommen, nur eine Subtilität orphischen
Mysterienwesens zu erkennen , so alt und durchgreifend erscheint uns doch
über clen Gott Eros.
13
billigerweise deren Geltung, sobald wir zugleich der schon oben besproche-
nen Abstammung des Eros von Hermes und Aphrodite gedenken. Dieser
Abstammung zufolge ist Eros ein Hermaphrodit im eigensten Sinn des
Wortes, nämlich ein aus Hermes und Aphrodite entstandenes Wesen : aus
Hermes, dessen Urbild schlaff männlichen Hermen mit dem cerealisch-
aphrodisischen Modius zu Grunde liegt, aus Aphrodite , deren Urbild sich
in mannweiblichen Hermen mit Frauenkopf und mit Andeutung des Hermes-
stabs eben so wenig verkennen läfst ( 1 1 1 ) . In beiderlei Formen viereckter
mannweiblicher Hermenbildung, und vollends in der ohne Zweifel gleich-
geltenden weichlichen Hermaphroditengestalt der verfeinerten Kunst, findet
die Männlichkeit eben so schlaff und unentwickelt gemeinhin sich angegeben
als in den vorgedachten hermaphroditischen Bildungen des Eros ; aber ganz
wie bei diesem, läfst auch in jenen scheinbar von Eros unabhängigen Bil-
dungen die Idee des uranfänglichen kosmischen Triebes, des ersten noch
unentwickelten Weltodems und Weltkeims, sich erkennen. Im Sinn eines
solchen ersten Weltschöpfers, der im Zeitalter spekulativer und mystischer
Religionsmischung gern hervorgesucht wurde um neben den anerkannten
volksmäfsigen Göttern besondrer Verehrung, sei es aus religiösem Tiefsinn
oder dem sinnlichen Reiz seines Doppelgeschlechtes zu Liebe, theilhaftig zu
werden, ist nun allem Anscheine nach, dem hesiodischen Eros sowohl als
dem orphischen Phanes gleichgeltend, ein eigner Gott Hermaphrodit
verehrt worden, für dessen hie und da geübten Kultus schriftliche sowohl
als monumentale Zeugnisse hinreichend vorhanden sind(112).
Bei solcher Geltung des hermaphroditischen Eros und bei dem Bezug
auf nächtliche und Unterweltsmächte, den war schon oben für Eros als
Fackelträger in Anspruch nahmen, ist die gewöhnliche Annahme von My-
sterien des Eros keineswegs ungereimt ; dennoch glauben wir, wie schon
von Andern geschehn, diese Annahme (113) ablehnen zu müssen, indem für
uns zu dem Mangel entscheidender Zeugnisse noch die Erwägung hinzutritt,
dafs die so lebensfrische als selbständige Natur des thespischen Dienstes
eine dem Eros bei- und untergeordnete Mehrzahl chthonischer und dämoni-
scher Mächte nach der Art sonstiger Mysterienvereine (1U) keineswegs wahr-
scheinlich macht. Um so weniger aber ist daran zu zweifeln, dafs Eros im
Kreise sonstiger Mysterien , zu denen er als ein ursprünglich fremder Gott
in ähnlicher Weise wie Dionysos, Hermes und Herakles herangezogen war,
C
14
Gekhaed
eine bedeutende Stelle einnahm: seine Verherrlichung im cerealischen Sän-
gergeschlecht der Lykomiden spricht dafür eben so unverkennbar als seine
Stellung in den cerealisch -bacchischen Mysterien Unteritaliens und als seine
mehrfach bezeugte Verehrung in Hauptsitzen cerealischen Dienstes. Als
leuchtender, läuternd uud schöpferisch wirkender Dämon solcher gefeiert-
ster Mysterien war dieser dem eleusinisehen Jacchos ganz entsprechende
Eros für Religion, Poesie und Kunst gewifs nicht minder erfolgreich, als
wenn er in Thespiä Haupt- und Mittelpunkt eines selbständigen Myslerien-
kreises gebildet hätte: dafs dem so sei, läfst zum Schlufs unsrer Darstellung
aus mehreren mythischen Personen, denen Bild und Idee des Eros zu
Grunde liegt, noch jetzt sich erweisen.
Um diese Nachweisung mythischer aus dem Gott Eros ent-
standener Wesen zum Schlufs dieser Abhandlung mit einiger Gründlich-
keit zu führen, vergegenwärtigen wir uns nochmals die tiefsinnige Auffassung
des thespischen Gottes, der aller täglichen Ausübung seines von Kämpfern
und Sängern gepriesenen Schutzes ungeachtet von Sängern verwandten Stam-
mes, wie Hesiod und wie auch die Orphiker es waren, als erster Weltordner
und uranfänglicher Weltgeist gefeiert wurde. Dieser Weltgeist, älter als
die platonische Scheidung doppelter Menschengebilde durch Zeus ( 115 ),
offenbart sich als Hermaphrodit, theils in der samothrakischen die Idee von
Demeter und Eros verknüpfenden Gottheit Axieros , theils im cerealisch-
bacchischen Mysteriendämon. Wie dieser Eros in seiner mannweiblichen
Auffassung ein Urbild physischer Fortpflanzung ist, erscheint er, die Fackel
der Mysterien tragend, zugleich als Führer und Vorbild allen geistigen Men-
schenlebens, bald mit erhobener Flamme in belebender und seelenläutern-
der Geltung, bald auch bei umgekehrter Fackel als ein Verkündiger des
erlöschenden Lebens. Verschiedene Kunstgestalten sind in diesem Zusam-
menhang leicht verständlich, zumal wenn die nahe gelegte Freiheit voraus-
gesetzt werden darf die geflügelte Knabengestalt Eros des Gottes auf jedes
der sterblichen Individuen überzutragen deren Vorbild er war. So steht
zuvörderst Eros, dem heiteren Lebens- und Liebesgott, sein Doppelgänger
Anteros , Aphroditens von Ares erzeugter Sohn, ein Dämon wetteifernder
gekränkter Liebe entgegen (n6), und als ergänzendes Gegenbild des seelen-
läuternden, der Seele Sinnbild den Schmetterling brennenden, Gottes er-
wuchs in der schmetterlingsähnlich beflügelten Psyche (11?) ein Urbild aller
I
über den Gott Eros.
15
vorn Eros zu höherem Leben berufener Seelen, wie Eros selbst für die
menschlichen Geister ein in den Genien menschlicher Thätigkeiten(118) öfters
nachweisliches Urbild ward. Gleich jenen Lebensdämonen sind aber auch
die dämonischen Gestalten erlöschenden Lebens nur als Ausflüsse der Ge-
sammtidee zu betrachten, nach welcher Eros gleich dem ihm durchgängig
ähnlichen Hermes sowohl ein Todes- als Lebensgott ist. In solcher Geltung
als Grabesdämon mit umgekehrter Fackel findet er sich mit der sitzenden
Gräbervenus und einem Bacchusidol gruppirt (119) und dient den zahl-
reichen Bildern zum Prototyp, in denen bei gleichem Fackelattribut der
Genius oder Dämon des Todten von dem des Todes, der Flügelknabe
mit der gesenkten Fackel vom ungeflügelten Todesgeber (12°) sich unter-
scheidet-, dieser vielzähligen Ausdehnung aber des beflügelten Weltgeistes
Eros zur unermefslichen Schaar menschlicher Genien steht in Begriff und
Gestalt völlig entsprechend auch die von Eros gequälte Psyche in tausend-
fältigen der Weltseele ihrem Urbild entflossenen Menschenseelen gegenüber.
Wenn bei neulicher Sichtung dieser allegorisch -mythischen Gestalten die
Ansicht hervortrat, als sei Psyche dem Amor nur wegen der Seelenläuterung
verbunden, die er durch seine Fackel vollbringt (121) , so hatte man, von
allzuenger Auffassung des Mythos ausgegangen, allzuwenig den tödtlichen
Einflufs erwogen , den diese im Dienste der Unterweltsmächte von Eros
erhobene Fackel selbst in der allbekannten Gestalt des Genius mit der ge-
senkten Fackel ausübt. War im Ideenkreis, wenn nicht thespischer doch
sonstiger, namentlich samothrakischer zu Korinth oder anderwärts geübter
(122), Mysterien die im Mythos von Eros und Psyche verkörperte Seelen-
läuterung überhaupt ein Gegenstand des Nachdenkens geworden, so konnte
man auch nicht umhin, nächst dem irdischen Spiel liebesseliger Seelenpein,
Eros des leuchtenden Lebens- und Liebesgottes Verhältnifs zur leidenden
Psyche, dem jenseits gerichteten Sinn aller Mysterien gemäfs, bis in die
dunkleren Pfade des fackelsenkenden Eros zu verfolgen.
G 2
16
Gerhard
Anmerkungen.
ö
(1) Bisheriges über den Eros: hauptsächlich Manso’s Mythologische Versuche S. 309 ff.
Creuzer Symbolik III, 284. IV, 161 ff. N. A. Fiedler Mythol. S. 251 ff. Müller Handb.
d. Archäol. §. 378. 391. Eckermann Mythol. II S. 2 f. 121 f.
(2) PLATO Symp. 19715: ’T] pung ev eoproug, ev y^opoig, ev ßvtrlaug 7:71 >ouEvog Yiye/ULulv, — Xa.pl-
TUJV, '\fXSpO\l, IlcBoV rtCtTYip.
(3) SOPHOKLES Antig. 782: ^Epouc; dvlxare iulcc^civ, og EV x,T-siy.ot,<n nlnreig , og ev y.aXaxtug
na. pEioug vsdvidog kvvvy^suEig • (poira.g vnepno'vnog ev t dypovoyoig ccvkoug, aal er ovr d.ßa.vd.rujv tpvj'ty.og
ovdelg , ovß’ djxEplviv kn dvßpuunwv. Sonstige Dichterstellen gibt Athenaeus XIII, 11. Vgl.
Eurip. Hipp. 523 ff.
(4) Eros vielzählig: in den als Eroten oder mifsbräuchlich (vgl. Anm. 118) als
Genien bekannten Flügelknaben, welche jedoch als Aphroditens oder der Nymphen Kinder
(Philostr. Imag. 1, 6. Claudian. Honor. 96. Engel Kypros II, 406. Campana Op. plast.
p. 66 s.) vom Eros altgriechischer Auffassung durchaus verschieden sind. Beispiele bei Manso
Mythol. Versuche S. 349 ff. Clarac Musee pl. 641-651. Müller Handb. 391,2.5.
(5) Doppel -Eros. Einen ältesten und jüngsten Eros unterscheidet Cicero (Anm. 83);
durchgreifender und bekannter ist die Platonische Unterscheidung eines himmlischen und
irdischen Eros, Uranios und Pan de mos (Anm. 8); beschränkter und der ethischen Be-
griffsanalyse gehörig der im Gebiet der Palästra erwachsene von Eros und Anteros (Anm.
116). Gepaart werden auch Eros und Himeros bei Aphroditens Geburt (Hesiod. Theog.
201); für Eros und Pothos (Anm. 8) giebt es ähnliche Verbindungen, dazu noch die
mehr willkürlichen Unterscheidungen keuscher und unkeuscher (Phädrareliefs: Gerhard
Bildw. XXI. Vgl. Prodr. S. 229, 3), beglückender und verderblicher (Doppelgeschofs: Eurip.
Iphig. A. 538) Liebe. Diese so mannigfach bezeugte und verstandene Doppelheit des Eros
macht denn auch die Erscheinung eines Erotenpaars, statt eines einzigen Eros, neben
Aphrodite sowohl (Anm. 77) und in tändelnden Liebesgruppen, als auch im Mysteriendienst
(Anm. 97) und neben bacchischen Wesen (Gerhard Etrusk. Spiegel 1, 85. Impr. d. Inst.
II, 52-55), aber auch neben der Stadtgöttin Tyche (Anm. 72 nach Aristoph. Av. 1315)
durchaus begreiflich.
(6) Dreifach, etwa über drei Regionen herrschend, wie Zeus und Hermes, ist seiner
berühmten Macht über Erde, Wasser und Naturwelt gemäfs auch Eros zu verstehen, sofern
ein dreifacher ”Epikog mit Welcker Tril. S. 241 vorauszusetzen, und etwa durch den prä-
nestinischen dreifach beseelten Herilus (Serv. zu Virg. Aen. III, 564) zu unterstützen wäre.
Einen dreifachen Eros in anderem Sinne, nämlich einen ägyptischen Eros-Helios zum Dop-
peleros Uranios und Pandemos gefügt, nennt Plutarch Erot. p. 764.
(7) Eros, Pothos und Himeros, drei einem und demselben Begriff der Liebeslockung
mit einiger Steigerung (Prodr. 108, 199) angehörige VVesen — ei S'iaipopd ettl xa.Toi ratira
Toig ovö/j.a<ji xul rd epya, cnpltn, sagt bedenklich Pausanias I, 43, 6 — denen als Hochzeitsgötter
etwa die mit Tyche gepaarten ''Epuureg yEvsßhoi (Phot. Bibi. II p. 367. Vgl. Gerhard
über den Gott Eros.
17
Etrusk. Spiegel I, 52, 1) sich vergleichen lassen, waren nebst den Chariten Peitho und
Paregoros durch Skopas und Praxiteles dem alten Tempelbild Aphroditens zu Megara bei-
gesellt. Vergl. Prodromus mythol. Kunsterkl. S. 230, 8. Müller Handb. 391, 7. — Im
wechselnden Sprach- und Kunstgebrauch finden Pothos sowohl (Panofka T. C. S. 92) als
H iineros (Vase Santangelo: Rochette P. de Pompeji p. 37, 1) dann und wann in selbständiger
Stellvertretung des Eros sich vor, wie auch Ilodoi und ''Epwzeg (Anth. Pal. IX, 570 u.y't'kyM
Ilofluiv. Vgl. ’( EpujTSi ; xotl Ho9og IX, 324) gleichgalten. Pothos ist als samolhrakischer Name
des Eros von Plinius bezeugt (Anm. 76) und auch im attischen Gebet wird Pothos neben
Aphrodite zugleich mit Hermes, Horen und Chariten angerufen (Aristoph. Pac. 455. Vgl.
Pothos als doppelsinnige Blume Athen. XV, 679 D. Panofka Ann. d. Inst. II, 346 s.).
(8) Uranios UND Pandemos. Dieser hauptsächlich durch Plato (Symp. 180Z)) für Eros
wie für Aphrodite begründete Gegensatz himmlischer und irdischer Wirksamkeit ist für Eros
sonst wenig bezeugt. Nur in vereinzelter Darstellung ist Eros -Uranios, durch Inschrift so be-
nannt, im flötenden Flügelknaben eines griechischen Reliefs (Maffei Mus. Veron. XLVII, 5. Vgl.
Prodr. S. 238, 9) nachweislich; mit geringerer Sicherheit ist dieselbe Benennung dem Flü-
gelknaben mit Palme eines anderen Reliefs (Anm. 70) beizulegen, und nicht ohne Willkür
ist sie einem bewaffneten Flügeljüngling mit Kranz, der eher Agon heifsen dürfte, von
Panofka (T. C. xxx), sowie einem ähnlichen Jüngling auf Blumenwerk von Campana (Op.
plast. XIV p. 62) zugewandt worden. Nichtsdestoweniger scheint hie und da, namentlich
auf Gemmenbildern (Taf. I, 6. 17 mit Anm.) eine Unterscheidung des Eros-Uranios vom
Pandemos nachweislich zu sein.
(9) Poros UND Penia, des Eros am Götterfeste von Aphroditens Geburt vereinigte
Eltern nach Plato Symp. 203 B. (Vgl. Intpp. Max. Tyr. X, 4. p. 172 s.). Eine Kunstdarstel-
lung dieses allegorischen Mythos glaubte Panofka im scherzhaften Thongebilde eines Eros
zu erkennen, der einen kleineren Flügelknaben in einem Wägelchen nach sich zieht; doch
dürfte dasselbe eher der Verbindung von Eros und Agon entsprechen. Vgl. Arch. Zei-
tung VII. (Denkm. und Forschungen 1849) Taf. II.
(10) Weltschöpfer ist Eros laut Hesiod Theog. 116 ff. sammt Chaos und Gaea,
eine Ansicht mit welcher die orphische Kosmogonie (Phanes: Clem. Strom, b/2. Lobeck
Agl. 1, 473 ff. 494 ff. Brandis Gesch. d. Philosoph. 1, 61) übereinstimmt.
(11) BÖOTISCHER Poesie gehört Hesiods Lobpreisung: ^Epog og xdXkiTTog (Dio Chrys.
III, p. 99) sv ciSavdTsicri ßeoici, kv crtusXyg, rrdiTuiv re äeuuv ndvTwv t dvßpwmuv • o'duvccrai sv <JTtr
flecor voov x»\ enlippovu. ßovX^v. Wie hier dem Eros, dessen Hauptsitz Thespiä nahe bei Askrä
lag, gilt einer andern böotischen Göttin, der Hekate, die bekannte längere Verherrlichung
in demselben Gedicht (Theog. 411 ff).
(12) Rein HELLENISCH ist Eros nach ausdrücklichem Zeugnifs des Plutarch (Erot. 12
p. 756): ov r'/oip v\jv a.lre'i npwTov ßujpiov o’'Epaig xv.\ dv<r[tx.v, ovS’’ enri'kvt; ex Tivog ßxpßaptxvjg $sttn8ou-
jAOv'ictg, ujunsp ''Attöu Tivsg xa, 1 ’A^ujraToi Xsyoy.svoi o't dvöpoyyvaiv xou yvvcuxüiv . . . Vgl. Engel,
Kypros II, 400.
(13) Thespiae. Vom dortigen Erosdienst sagt Pausanias (IX, 27, 1): ©scuV S'e 01 (detrmitg
TiywiTiv ^EptuTct fj.cCki(TTa. apyj/jg' xai G-tptmv dyal.y.cc no.}.ouora.Tdv sutiv dpyog ’kiSog d. h. ein
roher Stein (vgl. ebd. 1,28,5. 37,4. VII, 22, 3. Müller Handb. 66,1); nicht aber, wie
Schwenck (Gr. Myth. S. 268) versteht, ein weifser. Eben daher, jedoch nicht als Kultus-
bild, ist die Statue des Praxiteles (Anm. 20) berühmt.
18
Gerhard
(14) PARION. Nach Erwähnung des ihespischen Dienstes fährt Pausanias (IX, 27, i)
fort: cre'ßovTou ovSev ti vjtrirov ko. 1 'EXX^arrovriout' Tlxpixvol. Die Stadt war von Jasion ge-
gründet und auch von tyrrhenischen Pelasgern bewohnt (Müller Orchom. S. 460. Vgl.
unten Anm. 29).
(15) Piiallische Form des thespischen Steines wird nach Creuzers Vorgang (Symb.
IV, 193. Vgl. Inghir. Vasi fittili III p. 73. Fiedler Mythol. S. 255. Engel Kypros II, 463)
gemeinhin vorausgesetzt; fast mit gröfserem Fug hätte man Pyramidalform vermuthen können,
wie sie neben Ilithyia dem Apollo Karinos (Paus. I, 44, 3) bezeugt ist, oder auch, wie beim
Orestesstein des Zeus KxnmxjTxg (Paus. III, 22, 1) und beim eleusinischen Silensstein (ebd.
I, 23, 6), eine zum Sitzen geeignete breitere Form.
16) Den Eros PHALLISCH zu denken, ist in Denkmälern, zumal alter Zeit, keine volle
Berechtigung vorhanden; eher dagegen als dafür ist der Begriff frühester Naturerregung,
den Eros, wie weiter unten (Anm. 96 ff.) gezeigt wird, vielmehr mannweiblich ausdrückt.
Wie aber der in solcher Geltung ihm gleiche (Anm. 38) orphische Protogonos selbst dem
Priapos (Orph. II. VI, 9) gleich gilt, liegt auch jenem Urwesen Eros die Zeugung, die er
hervorruft, nicht ganz fern. Demnach erscheint er in Künstlerscherzen (Taf. I, 4. 5) dann
und wann mit Andeutungen derber Männlichkeit, und steht sowohl mit Priapos, einem gleich
Eros zu Parion berühmten Gotte (Anm. 29), als auch mit andren phallischen (Winck. Stosch.
II, 816. 817. Prodr. S. 239, 20. Bild aus Pompeji) Göttern in einer besonders durch Grabes-
bezüge erklärlichen und nicht blos für accessorisch (Jahn Beitr. S. 148 f.) zu erachtenden
Verbindung. Auch darf hier weder des Eros Verwandtschaft mit dem phallischen Hermes
(Anm. 85 ff.), noch auch der eigenthümliche phallische Kult verschwiegen werden, mit wel-
cher der dem Eros gleichgeltende orphische Phanes als ^aioyo'vog gedacht wird, nämlich
alS'oiov öniTw nep\ rijv nyy/,v (Nonn. ad Greg. Naz. bei Gesner zu Orph. p. 261), wofür
es an Belegen monumentaler Mystik eben auch nicht fehlt (Zoega Bass. II, 80 not. 3. Ger-
hard Etrusk. Spiegel I, 13, 10. S. 41, 45).
(17) IjESAMER IST Eros laut Theognis 1289 (1275): ‘Qpcuog xxi''Epwg sniTEMETou, -zivlx«,
irep "/vj ovöetnv slxptvcng äxXXsi dU^o /ulevyi. ryjjuog ’'Epwg npoXinuuv K vnpov nspiKoWea. vSjiroi' einv eri
dvöpiunovg crnepfxx tpspuiv kxtcH yvjg. Verwandt ist die Vorstellung, dafs Kypris am strömen-
den Kephissos mit Lufthauch und Blumen auch die Eroten nach Attika bringe (Eurip. Med.
827 ff.), vielleicht auch der Gedanke eines in Blumenkelchen verborgenen — svciutv iv xxXv-
ke<t<ti poßixiv Plat. Epigr. 29 — oder in Art des Weltschöpfers (Anm. 35) aus Knospen er-
stehenden Eros. Aber auch als befruchtenden Heerdengott kennt ihn Sophokles (Antig.
783: "Epwg og ev ktyi/j-xcl mmEig) und kannten ihn kleinasiatische Gegenden: aufser Parion
auch Tenedos, wo er mit apollinisch-bacchischen Bezügen (Klausen Aen. I, 78), Abydos, wo
er zu Rofs in Bezug auf Pferdezucht Aphroditen gegenüber (ebd. I, 80 f. Mionnel V, 41),
auch wohl Kios und Nikaea, wenn er dem Quelldämon Hylas vergleichbar auf des Herakles
Schulter erscheint (Klausen I, 106. 132. Vgl. 142); ganz wie Hermes kann er in solchem
Zusammenhang immerhin auch als Regengott (Forchh. Hell. I, 316) gelten.
(18) Fünfjähriger Festcyclus: der Sitte Olympia’s, Brauron’s (Müller Dor. 1, 384)
und andrer berühmter Feste (Hermann gottesd. Alterth. §. 49, 11. 12) gemäfs. Plutarch
Erot. 748: oiyavtri ya.p otyuuVo. 7tevraETYipiKov , o'unEp kcli reu? MovVai; hou tuj ’'EpwTi.
(19) Die Schlange ist kein bekanntes Symbol des Eros; doch finden sich spätere
Bilder des Gottes im Spiel mit der Schlange mystischer Cisten (Relief zu Florenz). Vgl.
über den Gott Eros.
19
die Gemmenbilder unsrer Taf. I, 6. 7 und Impr. d. Inst. II, 32. Auf einer Knepbscblange stebt
der Eros der Gnostiker (Taf. I, 16).
(20) Der THESPISCHE Eros des Praxiteles (Müller Hdb. 127, 3), in reizendster Jugend-
blüthe (Anm. 52. Lueian Amor. 11. 17) und mit schlaffem Bogen (Athen. XIII. 591 A) zu
denken, wird mit Wahrscheinlichkeit im Vatikanischen Amor (Pio-Clem. I, 12. Beschr. Roms
I, 288) wieder erkannt. Obwohl der Stolz Thespiä’s ( Ule propter quem Thespiae vise-
barxtur sagt Plin. XXXVI, 5, 4), durch Kunstentführungen berühmt (Paus. IX, 27, 3. Sillig
Catal. p. 385 ff.) und in Thespiä durch eine Nachbildung des Menodoros ersetzt (Paus. IX,
27, 3), war er doch nicht ursprünglich dem thespischen Tempel bestimmt, sondern gelangte
dahin bekanntlich erst als Geschenk Phrynens (Paus. I, 20, 1), nachdem er, wenn Athenaeus
(VIII, 591 A) nicht irrt, vorher im Theater zu Athen aufgestellt war. Von sonstigen Eros-
statuen bester Zeit ist eine des Phidias durch Wortspiel Phrynens (Athen. XIII, 585 f.),
aufserdem die mit den Parthenons -Marmoren nach England gekommene (Müller Denkm.
I, 145) bekannt, die wol der lysippischen Zeit angehört.
(21) Reine Strömung. Paus. III, 26, 3: xxl "Epturog ea-rtv ev Aevxrpoig vxog xxi xXtrog’
v^uup <1'e wpa yjeip.wvag Stappsi ro xkirog • tx <3s (pvXXx Tu i rjpi xno rSjv $dv$pi»v mnTOVTX ovx xv vno to\j
■udxTog ßd<5s nkeovxirxvTog nxpeveyße ivj.
(22) Narkissos. Paus. IX, 31, 6: ©simeW Se ev rvj yvj . . . irrt Notpximrou xxl roV
NapxKTTOv l&siv eg tovto to vä'wp (px<rlv . . .
(23) Musen und Eros, in Thespiä durch gemeinsamen Festkampf (Anm. 46) verehrt,
laut Plutarch (Anm. 18) und Paus. IX, 31, 3: xyviivx älyovri Moiumiz, x^ov ot M xxl ruf
”Epu)Ti. xppuQpjLog eXÖvjs , ruft Euripides Hipp. 529 auch zum Eros Pandemos; txi
MoT<rou tov "Epuirx tov xypiov od ipoßeovrxi, sagt Bion IV, 1.
(24) Thespiae, von Secrni^eiv weissagen (ße<rmg xotSog), ein Ort der Gölterstimme.
(25) Mit den CHARITEN, deren böotischer Dienst aus Orchomenos (Pind. Ol. XIV, 1.
Paus. IX, 35, 1) berühmt ist, war Eros in deren Tempel zu Elis zusammengestellt (Paus.
VI, 24, 5).
(26) Als CIITHONISCHER Gott schlechthin aufgefafst, ist Eros schwerlich nachzuweisen;
doch wird der Begriff eines Cupido inferus, der Lebensführung entsprechend mit der seine
Fackel den Menschen bis ans Ende begleitet, am Schlufs dieser Abhandlung und zu unsrer
Tafel V. sich erörtern lassen. Einen schönen Gegensatz zur Veranschaulichung desselben
Begriffs gewährt auch der aus Blumenwerk — bald der anfänglichen Schöpfung, bald auch
der Grabespflanzen (Taf. I, 15) — aufsteigende Flügelknabe.
(27) Eros zu Lebadea. Die Annahme als sei Bxa-lXeix nicht blos der bekannte auf
Zeus Basileus bezügliche Name lebadeischer Trophoniosfeste, sondern als ’Epuuriot ßxtrlXeix
auch Name des thespischen Erosfestes gewesen ( Creuzer Symb. IV, 163 N. A.) beruht
lediglich auf einer Dittographie im Lexikon des Philemon (v. Av'xei x x6\x ), die nach den
Pindarischen Scholien (VII, 153) bereits von Cesare Luechesini und in Osanns Ausgabe
jenes Grammatikers p. 72 berichtigt worden ist. Es heifst dort: ev jx-v ®s<rmx Tg ’Epwnx
[BoKnksuz], ev <5e Aeß xdelx xxXovpevx BxriXeix xxl Tpocpwvix.
(28) Chtiionisches aus Thespiä. Nach Paus. IX, 26, 5 waren Zeus Saotes, ferner
zwischen Tyche und Hygiea gestellt Dionysos, sodann Athene Ergane Hauptgottheiten von
Thespiä. Der neben letzterer stehende Plutos mochte ein dem Eros identisches Knäblein sein.
Auch Aphroditedienst ist aus Thespiä bezeugt (Anm. 54. Paus. IX, 27, 4), aufserdem Artemis-
20
Gebhard
(Eckhel D. N. II, 205: Frauenköpfe mit Mondsichel) oder Demeterdienst (dieselben Köpfe
verschleiert) aus thespischen Münzen wahrscheinlich. Zur Annahme jedoch von attischen
Thesmophorien, mit denen Creuzer (Ileidelb. Jahrb. 1817 no. 51. Vgl. Müller ürchom. S. 236)
die Narkissossage verband, fehlt es an hinlänglichem Zeugnifs.
(29) Ciitiionisciies AUS Parion. Die Stadt Parion im Hellespont, von Erythrä,
Milet und Paros aus (Strabo XIII, 588. Paus. X, 27, 1. Klausen Aen. I, 237) nicht ohne
tyrrhenische (Müller Orchomenos S. 443) Volkselemente gegründet, ward ihres Erosdienstes
wegen schon oben (Anm. 14) erwähnt. Cerealische und verwandte Andeutungen, durch
den Kultus von Paros (Klausen I, 333 ff.) und jene tyrrhenische Abstammung (Müller Orch.
S. 443) erklärlich, geben die Münzen (Klaus. 1,91,230), womit die Gründung der Stadt
durch einen Sohn Jasions (Steph. v. Hctptov. Müller Orch. 460) stimmt, und wonach eine
Mutter- und Kindschaft von Demeter und Eros (Rückert Troja S. 77) immerhin denkbar
wäre; auf Aphrodisisches deutet der dem Städtenamen ähnliche und mit diesem verknüpfte
(Rückert ebd. S. 81) Name des troischen Paris. Sonst wird, mit der reichen Viehzucht dortiger
Gegend übereinstimmend, apollinischer (Klausen Aen. I, 142) und auch Priaposdienst er-
wähnt. Letzteren ist Engel (Kypros I, 463 f.) dem Dienst des Eros gleich zu setzen geneigt,
und für einige Verwandtschaft beider Kulte läfst das Priaposidol am Helikon (Paus. IX, 31, 2)
sich anführen. Ebendaher ist endlich auch Asklepiosdienst bezeugt, dessen Heilschlange nach
Rückerts Vermuthung (Troja S. 80) den Namen noopsioig der Heilschlange erklären hilft.
(30) Eros zu Eleusis. Von Gesängen des Pamphos und Orpheus auf Eros sagt nach
der Mittheilung eines Daduchen Pausanias IX, 27,2: xai <rt fnmv djucporepotg mnoi^pLsva. eorlr
kg ’Tpuira., Tra, km roig 8pixifj,evoig A vxo[Jt,[8ou xou tclvtu, ak'uimv. Über die Lykomiden als messe-
niscb - eleusinisches Priestergeschlecht vgl. Preller Demeter S. 63. 148. Hierbei kommt
denn auch die politische Verknüpfung von Athen und Thespiä in Anschlag. Reide
Städte sind durch die Sage von Thespios als Sohn des Erechtheus (Paus. IX, 27, 4) ver-
bunden und sandten gemeinsame Kolonisten nach Sardo (Paus. IX, 23, 1). Von Götter-
diensten war ihnen die Verehrung der Athene Ergane (Anm. 28) und auch die des Eros
gemein, dem laut Plutarch (Erot. 763) vom Helikon bis zur Akademie (Paus. 1, 30, 1)
gehuldigt wurde.
(31) Cerealischer Erosdienst gibt bei Demeterköpfen im Revers auch im Löwen-
bändiger Eros der Münzen von Callatia (Anm. 53. Amor auf Löwe: Gal. d. Fir. V, 2, 1),
wie auch auf den politischen Münzen von Amisos (Pell. II, 39, 3) und Sinope (ebd. 40, 13)
sieb kund. Desgleichen sind Erosbilder mit der mystischen Cista keineswegs unerhört:
Taf. I, 6. 7 (oben Anm. 19). Impr. d. Inst. II, 32.
(32) Axieros d. h. ’Agt-epuig: Welcker Aesch. Tril. S. 236 ff. Eckermann Mythol.
II, 2. 115. 122. Nach Rückert (Troja S. 77) wäre anzunehmen, dafs Mnaseas im allbekann-
ten Zeugnifs in Axieros nur aus Mifsverstand die Demeter selbst erkannt habe, während
die Vergleichung mit Ilithyios als parischem Sohn Demeters vielmehr auch Axieros für einen
als Sohn Demeters zu fassenden Eros halten lasse. Wir glauben eines solchen Nothbehelfs
nicht zu bedürfen.
(33) Eros, ältester Gott. Scbol. Apoll. Rhod. III, 26: ’AnoXXuuvtog jusv ’A(ppo8tryjg
TCv^EpiuTu 7ei>£aÄoy£T, ^cincpu) 8s r% xou Ovpxvov, 1$ip>.wv[8vig Ss ’AippoS'iTrig xou '’Apeog, "lßvxog
xou ' HcnWo? ex Xo iovg XsyeL tov "TL puroo. ’Er (S's roT; elg ’Optpe'ot, (Fragm. 22. Unten Anm. 61)
Kpo'vov ygrraXoyEircu. Alter als Kronos und Japetos heifst Eros auch bei Plato (Symp. 195B),
über den Gott Eros.
21
womit ein Diehterspruch des Meleager (ep. 91. Anal. I, 260) stimmt: ovts yxp a.lQr.p, ov
yßwv <p'/i<r\ Texeiv, ou nsXa.yog . . . Von Ililhyia leitete Oien (Anm. 73) ihn ab; orphisch
(Arg. 1 4 ff.) ward er als Sohn der Nacht, nämlich vermittelst des uranfänglichen Weltey’s,
(Anm. 38) betrachtet.
(34) Eros jüngster Gott. Paus. IX, 27, 2: ^Epuira, xvdpwnoi yb ei n-oXXol vew-
tcltov flsoY eivxi xotl ’Acppobryig vaXöcx yyqvrat.
(33) Als Weltschöpfer, wie Eros aus Ilesiod und den Orphikern (Eobeck Agl.
I, 529) und vielleicht selbst aus Kunstdenkmälern (Luynes Ann. XIX p. 179, 1. Mon. IV, 39, 1:
,/Eros et Gaea.” Aufsteigende Kora?) nachweislich ist, sollte derselbe aus einem Weltey
(Anm. 38), vielleicht auch aus Gewächsen (Anm. 17. 26) entsprossen sein. Eben darauf
mag die Geberde seines wie zur Andeutung seines Geschlechts weilgeöffneten Gewandes
(Taf. I, 2) hindeuten; ja auch die Schlangenbildung geflügelter Jünglinge dürfte als Sinnbild
ältester Erdgeburt sich auf Eros beziehen lassen, v\ie denn ähnliche Gestalten sich verzie-
rungsweise an etruskischen Spiegeln (Gerh. Elrusk. Spieg. 1, 76.112. 11,196) finden, wäh-
rend an gleicher Stelle auch Erosbilder der üblichsten Art(Ebd. II, 164) nicht unerhört sind.
(36) Als Weltordner aller Regionen, nxvTuuv xXyda.g s^orra, feiert den Eros ein
orphischer Hymnus (LVII, 4 ff.); orphisch wird er auch dem Zeus gleichgesetzt (Lob.
Agl. I, 529).
(37) Kosmische Symbole des Eros werden, wie bei Apoll, nach Ileraklits Vorgang
in Bogen und Lyra (Creuzer II, 596 ff. N. A.) und auch in der Fackel erkannt, wegen der
er ein Feuergott ( rvp'ßpoyog Orph. II. LVII, 2) heifst. Vgl. Orph. Arg. 14: dupvyj nvptrwnsa,
xvüpGv ’Eoourct. Die Lyra als Weltharmonie (Orph. II. 8, 9. 34, 16.) pylhagorisch zu deu-
ten, fand auch Winckelmann (Descr. Stosch p. 143) nicht unangemessen (Vgl. Anm. 47).
(38) Eros aus dem Weltey. Aristoph. Av. 694: tIxtei npwrto-Tov vn-/\vE yiov Nv£ jj
y.EXa.vomEpog (jÜov, s£ ov nEpiTzXXoyEvxug vupxig eßXx cttev ’'Ep wg ö noßzivog. Daher die gleich-
geltenden Namen Phanes (npwToq y dtp sipa.vßvj Orph. Arg. 16) und Protogonos (Hymn.
VI, 2 : woyEvv;g, beflügelt, Td.vpujno\ ;), auch Priapos (Vs. 9. Upr/]nov xal ’ Avravy/jv. Oben
Anm. 16), denen auch der rälhselhafte Erikapäos (Anm. 58) gleichgilt. Vgl. Lob. Agl.
I, 478 ff. Müller Lit. Gesch. I, 426. 435. Eckermann Myth. II, 22.
(39) Eros mann weiblich: Ai pvy,g (Orph. H. LVII, 4). Vgl. unten Anm. 96.
(40) Beinamen DES Eros. Bereits erwähnt wuirden die Ilesiodischen Xv<riy.sXm/ig, xaX-
XiVTog (Anm. 11). Auch als Freiheitsgott erscheint Eros in seinem Bezug auf die Eleuthe-
rien (Anm. 4 1 ), wie denn auch der mehrgedachte Beiname dem bacchischen Avtrtog
wohl entspricht.
(41) Eros Staats- Kampf- und Freiheitsgott. Athen. XIIT, 561 E: AaxeJ'ai-
fiovioi <3s 7 rpo rSiv 7ia.pctTOL£eujv ’Epwn npoßvovrxi (Müll. Dor. I, 407). . xa'i Kpyjrep A (Aelian V.
H. III, 9) iv Tcug napoLTd^ecri. rouc xxXXiTTOvg tuj v jtoXltuiv xoGylytxvzzg Ace tovtwv ßvovm tw
pujri ... 0 eis napoi ©yjßxioig Upog Xo'yog xa.Xovy.Evog <tvvsjty\xzv sg EpourrSiv xal epnoybuov rqv tov
flsov crEyvoTYjTa. sy.(poi[vujv, ä.trna'^oy.Evujv ßdvxTov evSo £ov dvr aiV^pou xal snovEiSlcTOV ßiov. Igayuoi
is . . yvy.vxcnov <xvo.ßzvTzg rw Epain rry Aa tovtwv clyousvYy sopTvy ’EXevdepix npo<rriydpev<rxv.
A’ ov ßsov xal ’A ß-/\vxÜoi iXsvßspixg ETvy_ov xal ol nsitrurrpaTiAzi . . . (Anm. 45). Eros-Altar in
der Akademie von Charmos zu des Peisislratos oder des Hippias Zeit gesetzt: XIII, 609 D.
Vgl. Paus. I, 30, 1. Bei diesem Erosaltar in der Akademie ward das Feuer zum Fackellauf
angezündet, nach Plut. Solon 1 ; vgl. Meurs. Ceram. 25.
D
22
Gerhard
(42) Von BÖOTISCHEN Festen ist hauptsächlich den Orchomenischen Charitesien (Boeckh
Staatsh. II, 351 ff. C. I. no. 1584) der überwiegende Charakter musischer Feste mit den Ero-
tien gemein. Den Eleutherien zu Platää, die zugleich mit den Erotien von Thespiä als
böotische Hauptfeste erwähnt werden (Schob P. Ol. VII, 153) und als nach der Perser-
schlacht zu Ehren des Zeus Eleulherios (Plut. Arist. 19. Meurs. Gr. fer. s. v.) eingesetztes Fest
bekannt sind, ist auch die fünfjährige Wiederkehr, wie bei den Erotien, bezeugt.
(43) Opfer FÜR Eros vor der Schlacht: Aelian V. H. III, 9. H. Anim. IV, 1. Athen.
XIII, 561 E. Müller Dor. I, 407.
(44) Eros im Tuolos zu Epidauros. Paus. II, 37, 3 (Gemälde des Pausias): ßib/j fj.lv
xal to£o v eoVi v acf)fixuug ’Epiug, Xvpxv $e cUvt xvtujv xpa/xevog (ps'psi. Ähnlich ist das o'Uy^j.x zu
Aegira mit den Statuen von Eros und Tyche (Paus. VII, 26, 3), und ähnlich der von
Schlangen umgebene Tholos eines Cistophors bei Eckhel Syll. num. V, 7.
(45) Reinheit des Erosdienstes. Für die Reinheit griechischer Männerliebe im
früheren Alterthum, wie sie hauptsächlich durch die thebanische Schaar (Anm. 41. Müll.
Dor. II, 290 ff.) verherrlicht ist, zeugt ausdrücklich Athenaeus XIII, 562 A: oi Heimrrpcit/rl&cu
sxnetrovTsg snsjEip-^xv S'ixßxXXetv npuroi rag nspl rov äeov tovtov npx^Eig. Noch weniger
Unglimpf ist über den Ruf der Erosfeste ergangen: nur in einem sehr späten und unver-
bürgten Zeugnifs (Euseb. in Const. 7. Engel Kypros II, 400) werden sie opyix /uoiy^ixx ge-
scholten. Gegen die vermeintlich phallische Form des thespischen Erossteins ward schon
oben (Anm. 15) Einspruch gethan.
(46) Feste ZU Thespiä. Paus. IX, 31, 3, vom Helikon: nepoMovm üe xxl xvS'psg zo xXzog,
xxl sopz^v ts EVTxiißx oi ®E<rmeig xxl äyouV» xyovm Moui tsix‘ xyovtrt ol xxl rw ''Epwn xßXx ou
uouirix>js fj-ovov , xXXx xoti xßXYjzxHg zißsvzsg. Vgl. Jahn Beiträge S. 124, 6.
(47) Attribute des Eros sind, der weichlichen des Mysteriendämons (Anm. 101) zu
geschweigen, hauptsächlich Bogen und Leier: nach einem für Apoll wie für Eros berühmten
und auch durch alte Philosopheme (Creuzer II, 596 ff.) verherrlichten Gegensatz (Anm. 37),
der im Tholos von Epidauros (Anm. 44) ausdrücklich hervorgehoben, und wohl auch im
schlaffen Bogen des praxitelischen Eros (Anm. 51) gemeint war. In ähnlicher Weise wird
auf lesbischen Münzen (Mionn. III. p. 43, 73. 77) die Lyra mit Heroldstab und mit Keule
verbunden, im gemeinsamen Bezug auf Eros, Hermes und Herakles als palästrische Götter.
Auch Bogen und Fackel finden sich in ähnlichem Gegensatz auf Münzen (Böa: Pellerin
III, 126, 5. Kremna: Pellerin Mel. I, p. 243) und sonst. Eigenthümlich und wohl nur
als Dichters Einfall zu betrachten ist die Unterscheidung eines doppelten Geschosses,
die Athenaeus XIII, 562 E aus dem Tragiker Chäremon beibringt: Sl^v/xx 7 otp to£x xvtov
evteiveg’Sxi y^ap'.rujv, zo fj.lv ETi svxlwvi o., to sv cruy)£ucr£i ßiozxg.
(48) Waffen an Säulen geheftet: wie von Apollo’s Bogen (Horn. H. Ap. 8) bekannt
ist und wie auch mit gekreuzten Fackeln geschieht (Caylus III, 50, 5. Gemmenbild).
(49) Schützenkunst, wie sie späterhin besonders den Kretern verblieb (Paus. I, 23, 4:
vEXÄ-/]iTii/ otl fxv\ K pytrlv odx snt^uipiov ov To^eusir), ist zumal aus altgriechischer Zeit nach den
von Pausanias selbst beigebrachten Belegen, nämlich der Lokrer aus Homer (II. XIII, 686.
707) und aus geschichtlicher Zeit des attischen Diitrephes (Paus. 1. c) unzweifelhaft; der
Kretischen Erosfeste ward bereits oben (Anm. 41) gedacht.
(50) Eros mit der Lyra; hauptsächlich aus Gemmenbildern und aus Reliefs römischer
Zeit bekannt, hie und da auch in Vasenbildern. Vgl. Prodr. S. 239, 18. 20.
über den Gott Eros.
23
(51) Mit DEM Bogen scheinen alle auf uns gekommenen gröfseren Erosstatuen ver-
sehen gewesen zu sein, wie die Elginsche durch ihr Köcherband, die Vaticanische in Neapel
(M. Borb. VI, 25. Neapels Bildw. no. 295) wiederholte aber als vermuthliches Nachbild der
praxitelischen — ovx. er oürrsvuuv, äXk’ drsvi&juevog Athen. XIII, 591 A — es voraussetzen
läfst. Dazu der oft wiederholte bogenspannende Flügelknabe im Kapitol (Müller Handb.
391, 3). Übereinstimmend damit zeigen auch archaische Gemmenbilder (Taf. I, 8. 9) den
Eros als bogenspannenden Jüngling.
(52) EpuebenbildünG , einem Gott der Palästra, wie Eros war, wohl entsprechend,
ist dessen eben erwähnten älteren Bildungen durchgängig gegeben, und auch aus späterer
Kunst — veavLug notp’ o el'uuäs Philostr. I, 29 (hei Andromeda) — hie und da nachzuweisen.
Der sinnliche Pteiz dieser Bildung wird aus ärgerlicher Tempelchronik sowohl dem thespi-
schen Eros des Praxiteles (Lucian Amor. 11. 17) als auch der zu Parion befindlichen Eros-
statue desselben Künstlers bezeugt: ejusdem, heifst es (Plin. XXXIV, 4, 5), et alter nudus . . .
par Veneri Cnidiae nobilitate et injuria. Adaniavit enim eum Alcidas . . . Umstände den-
jenigen günstig, welche den oft wiederholten sehr knabenhaften Bogenspanner (Müll. Handb.
391, 3) ohnehin lieber für lysippisch als für praxitelisch halten wollen. Aber auch die
höhere Göttlichkeit der reiferen Erosgestalt betont Lucian (ebd. 32): ;,E pwg, ov xaxoV vyniov ono 7«
^uuypacpuiv no u^ov<n y^eipsg, J.Xk’ ov vj npairoirnopog sy/vv/jcrsv otp%j, re'Xetov evSv rsyßsvTO.. Vgl.
Prochette Lettres archeol. I, p. 136. Sonstige Belege erwachsener Erosbildung folgen dem-
nächst (Anm. 66 ff.).
(53) Eros MIT Fackel: ßoucü Xa./unoig eoitra, tov clKlov uvtov dvooidsi (Mosch. I, 23), da-
her es auch von seinen Gaben heifst (ebd. 29): rot yaip nvp\ ndvTV. ßeßot.nTcti. Vgl. Intpp.
Tibull. II, 1, 83. Jahn Beitr. S. 143, 95. In hieratischer Geltung erscheint dieser fackel-
tragende Eros einen Löwen reitend und einem Demeterkopf gegenüber auf Münzen von
Kallatia (Pellerin I, 36, 6).
(54) Aphrodisisches IN Thespiä ist durchs Heiligthum der Aphrodite Melänis und
durch die praxitelische Aphrodite bezeugt, die zugleich mit dem Standbild der Phryne im
Erostempel zu Thespiä stand (Paus. IX, 27, 4). Dafs in nächtlichen Festen Aphroditens
ein Knabe mit Fackel seine Stelle fand, geht schon aus der hesiodischen (Theog. 991)
Bezeichnung des Phaethon als vvftiog (Wyuuv hervor (Anm. 63. 79).
(55) JACCHOS MIT Fackel. Attisch sind: ctvry (Demeter) re xal vj notig xal d&Sa. eyjMV
vIaxx,o? (Paus. I, 2, 4) und Jacchos, dieser als (punripo'po g dcrr^p (Aristoph. Ran. 343), wie Eros
im orphischen Hymnus LVII, 2 nnplßpo/utoc heifst. Vgl. Cerealisches aus Thespiä oben Anm. 28.
(56) Eros GEFLÜGELT. Diese Befliigelung ist in gut attischer Zeit allgemein anerkannt,
nach Euripides (Hipp. 1262), Aristophanes (Av. 574), Alexis (Athen. XIII, 562 E), wie nach
Anakreon (Fragm. 107. Vofs Mythol. Br. II, 4); auch heifst der älteste Cupido pinnatus bei
Cicero (Nat. D. III, 23). Nichtsdestoweniger kann dieselbe erst verhältnifsmäfsig spät ein-
getreten sein, wie denn der Scholiast des Aristophanes (1. c.) auf die Zeit des Bupalos (Ol. 60)
sie zurückführt. Vgl. Abh. über die Flügelgestalten (Berl. Akad. 1838) S. 6 ff. Welcker Rhein.
Mus. VI, 585. Ausnahmen sind nicht unerhört (Taf. I, 15. Prodr. S. 72, 16), aber selten.
(57) Agon, der personificirte Wettkampf dürfte in mancher Figur beflügelter Jüng-
linge zu erkennen sein, denen die Benennung Eros wenigstens nur im politisch-athletischen
Sinn (Anm. 41) dieses Gottes zukommt. So dem Flügeljüngling, der auf syrakusischen
Tetradrachmen (Nöhden spec. pl. 19. Mionnel I, p. 295) die Quadriga der Rennbahn zum
D2
24
Gerhard
Siege führt, und andere mehr (Taf. I, 3 ff. 8). So auch der schwebende Jüngling mit
Waffen und Kranz, der als Thonrelief (T. C. Br. Mus. pl. 74) bei Panofka (T. C. XXX) als
Eros Uranios (Anm. 8) gedeutet ist; ihm entsprechen Fliigeljiingünge archaischer Gemmen mit
Zweig und Kranz (Br. Mus. 673), auch mit Zweig neben einem Altar (ebd. 681). In Be-
gleitung eines knabenhaften Eros zeigt ihn ein Gemmenbild, nach welchem eine schöne
Thongruppe des Berliner Museums für Eros und Agon erkannt worden ist (Arch. Zeit. VII,
Taf. 2). Auch auf Vasenbildern erscheint er, einfach sowohl (Caylus IV, 43, 2) als auch
doppelt (Abh. Fliigelgest. Taf. IV, 7), in Umgebung von Paläslriten.
(58) Erikapaeos. Der Ortsname Pantikapäon kann nicht genügen, um diesen räthsel-
haften zwischen ’Hpi xznoiog Orpli. II. VI, 4 not. und ’Hpixonor.og schwankenden orphischen
Gölternamen (Gesn. zu Orpli. 1. c. Lobeck Agl. I, 479) zu einem ursprünglich griechischen
zu machen, zumal wenn Erekapaim als altbiblischer Ausdruck des „langmüthigen” Gottes
versichert wird (Movers Phönic. I, 556 f.); wohl aber ist einzuräumen, dafs die Hellenisirung
ausländischer Namen nicht ohne selbständige Deutung erfolgte, und dafs solchem griechi-
schen Auslegungslrieb Erikapäos, wenn nicht als Gartengott von xvjn’o; (Gesn. I. c.), doch
als Luft und Frühlingshauch (exp, qo i, xxnru> Riiekert Troja S. 78) dem Zephyr vergleich-
bar zu deuten ganz nahe lag. Möglich und wahrscheinlich sogar, dafs erst die spätere
Orphik jenem Namen Eingang verschaffte; dafs er dein Phanes Protogonos ebenbürtig
erscheint — Phanes als Ur/icht, Erikapäos als Lebenshauch , (pwg und (wohorqp nach
Joh. Malalas und Cedrenus (Lob. I, 473. 479) — berechtigt uns dennoch, dein böotisch-
orphischen Eros die Idee eines ursprünglichen Luftgotles gleich Erikapäos zu bekräftigen,
während die einander gleichgeltenden Namen Phanes und Protogonos der bekannten Idee
des Eros als Weltschüpfers sich anschliefsen. Der Gegensatz beider Urkräfte ist hauptsäch-
lich in der von Gesner (ad Orpli. p. 261) gegebenen Exegese des Nonnus zu Gregor.
Nazianz. III hervorgehoben; während Phanes als plial lisch (Anm. 16) bezeichnet ist, bleibt die
Voraussetzung begründet, dafs Erikapäos, der im Besitz einer anderen Urkraft (irspxg eipopog
dvvxyeujg) gedacht wird, bei überschwenglicher Schnelligkeit mit Flügeln versehen sei.
(59) Eros luftig: xctl nrzpoz i; ul; opvig i(pi'n-XTXt oXXot in ohl.ovg . . (Mosch. I, 16).
(60) Eros DES Zephyros Sohn von Iris; nach Alkaios (Fragm. 9. Plut. Erot. 20).
Nonn. XXXI, 110. Eustath. Ilom. 555, 31. Engel Kypros II, 397 f.
(61) Eros UND die Winde von Kronos erzeugt. Orph. fragm. 22 (Schob Apoll. Rhod.
III, 26): ^Efujra Kpdvog xa.1 nvzvy.ct.Ta. nxvr irex i'ouire.
(62) Beflügelte Phallen sind aus Gemmenbildern (Tassie 5301 -5344) und Bronzen
(Br. d. Ercol. II, 97-99. p. 397,2) hinlänglich bekannt, in eigenlhiimlicher Weise aus dem
phallischen Tychon neben der Glücksgöttin eines Reliefs aus Aquileja (Abh. Agathod. Taf.
IV, 3); auch aus Bauwerken, namentlich dem Amphitheater zu Nisines (Nouv. Ami. I, 94, 6),
wird dergleichen erwähnt.
(63) Als MYSTISCHE FLÜGELKNABEN sind nicht nur die cerealischen Jaechos, Plutos,
Triptolemos (Prodr. S. 84), sondern auch aphrodisische nachzuweisen. Inschriftlich be-
zeugt ist dies für Adonis, der auf einem etruskischen Spiegel (Gerh. Etr. Sp. I, 1 16: Alunis.
Vgl. ebd. 115 Turan , Alunis ) ganz eben so Aphroditens Schofskind ist, wie auf einem an-
deren ähnlichen Kunstwerk (Ebd. I, 117. Unten Taf. IV, 1. 2) Eros es ist, und in ähnlicher
Weise, sicher als Fackelträger, ist denn auch der Phaethon zu denken, den Ilesiod (Theog.
987 ff.) als einen von Aphrodite entführten Knaben und als deren nächtlichen Tempeldiener
(yvyj.av ho.ly.ovx) bezeichnet.
über den Gott Eros.
25
(64) BeflüGELUNG als korinthischen Kunstgebrauch nachzuweisen , ist theils die
Bildnerei am Kasten des Kypselos (Paus. V, 18), theils auch die von Korinth stammende
Kunst etruskischer Erzfiguren und Metallspiegel sehr geeignet. Vgl. Abhandl. Über die
Flügelgestalten (Berl. Akad. 1838.) S. 3.
(65) Aphrodite und Koka, die um Adonis sich streiten, füllen, jene der neuerstan-
denen Frühlings- Kora, diese der Gräbervenus entsprechend, zwei einander nahverwandte
Gölterbegriffe aus, deren Übereinstimmung im Begriff der Dione und Libera, wie in Kultus
und Bildnerei, vielfach nachweislich ist. Vgl. meine Venere-Proserpina (Fiesoie 1825). Creuzer
Symb. IV, 282 ff. N. A. (Dione). Klausen Aen. I, 502. Unten Anm. 01.
(66) Erwachsen ist Eros theils einzeln (Anm. 52) theils in Götterverbindung
zu denken. So a ) Aphroditen empfangend, bei Phidias. Paus. V, 11,3 (Abh. Zwölf
Götter Taf. III, 2): '’Epwg e> c SxXdcnryg ’Acppo^iT-pt dvi ovcav vnchy^ö/uLSvog. Hienacb hat Pa-
nofka Ann. II, 324 tav. Z, 1. (Vgl. Jahn Beitr. S. 111 f.) eine berühmte etruskische Erz-
gruppe gedeutet. Der vernnilhliche neben Aphrodite stehende ungeflügelte Eros im Par-
thenonfries (Müller Denkm. 11,115g1) ist, obwohl knabenhafter, von den Flügelknaben der
späteren Kunst doch sehr verschieden, so dafs er mit jener selbständigen Erscheinung des
Eros sich wohl verträgt. — Ferner b ) in Verein mit den Chariten im Tempel zu Elis
(Paus. VI, 24, 5). — Endlich c), wechselnder Knabenbildung (Anm. 72) unbeschadet, auch
neben Tyche als fackeltragender beflügelter Jüngling, auf Münzen von Aegium (Sestini
med. Fontana II, 5, 4), wonach der mit Tyche von Aegira (Paus. VII, 26, 3) verbundene
geflügelte Eros ebenfalls als Ephebe (Anm. 52) sich denken läfst, zumal der laut seinem
Namen gleichfalls auf Tyche bezügliche phallisehe lind geflügelte Dämon Tychon in gleicher
Ephebenbildung nachweislich ist (Abh. Agalhod. Anm. 50).
(67) Eros aus Kypros — npchndv Kvirpov (Anm. 10) nach Theognis — wiederholt
sich auch als puer Jda/ius im späten Sprachgebrauch des Statins Tlieb. II, 287.
(68) Apiiroditens Kind hiefs Eros bereits bei Parmenides laut Plato (Symp. 180 D):
Slo Happsvi^Yig p.\v änoipxivsi rav ”EpujTX räiv ’Aippoü'iTqg epy uiv npexßvrci.Tov, sv rvj xosyzcytma
ypdcpuuv npujTKTTOv fj.lv '‘Epnirx 8süjv p//\T\.xxT0 navrwv (also Eros Apiiroditens Schöpfung).
'UtrloSog $s (pvtrixujTSpov spoi dsxel noüv ’Ücuura ndvrwv 7rpB<rßvTXT0v. Jener ersteren Auffassung
der Aphrodite als Wellmutter und Mutter des Eros war auch Simon id es gefolgt, nach
Servius (Aen. I, 664): secundurn Sirnonidern , qui dicit Cupidinem ex. Venere tan/um esse
progenitum, quanquam alii dicant, ex ipsa et Marte, alii ex. ipsa et Vulcano. Allegorisch
erklärend sagt freilich Euripides (Hippol. 449. Plut. Erot. 756) von Aphroditen: icrrlv >j
i rnslpovtru. xai odovd epov.
(69) Dafs Aphrodite nicht ohne Eros denkbar sei, beruht zunächst auf Plato’s Aus-
spruch (Symp. 180 D: ndvTBg yd p 1'rp.Bv ori oüx iVrtv xvbv ''Epurog ’AfppoSavj), bei dem er zwar
nicht als der Göttin Sohn, sondern nur gleichzeitig mit ihrer Geburt von Poros und Penia
(Anm. 9) entstanden (yemjAr! g sv roig ixsi'vvjg ygveöXioi g 203 C) gedacht wird. Von Attika
sagt Euripides, Kypris sende bei Windessäuseln und Blumenduft auch als Beistand der
Weisheit und Tugend Eroten: rd croip'x nxoüpovg nsfjLTiBiv Epiurctg nxvroixg dperug fcvvspyovg
(Med. 833. Vgl. Hippol. 1258: <rv rdv dswv dxd.fj.XTiv (pplvx xa! ßpordiv dysig K vnpi' <rvv <3’ o
noixikonTepog . . ,’Epuig), und die Gültigkeit solcher Verbindung gibt selbst im Gebet sich
kund, wenn zugleich mit Hermes, Chariten, Horen und Aphrodite der dem Eros gleich-
geltende (Anm. 7) Polhos angerufen wird (Aristoph. Pac. 455), späterer Deutungen so unbe-
26
Gebhard
zweifelter Verbindung — Eros und Aphrodite ägyptisch als Sonne und Mond: Plut. Erot.
764 — zu geschweigen.
(70) Erosdienst ohne Verknüpfung mit anderen Gottheiten (Anm. 66) ist aufser
den uralten Kulten von Thespiä und Parion (Anm. 13. 14), dem Tempel zu Leuktra (Anm. 21)
und den mancherlei anderwärts (Anm. 41) dem Eros gebrachten Opfern im Ganzen nur
wenig bezeugt; daher ein Gemmenbild zu beachten ist, das vereinzelt in einem Tempel
oder Heroon ihn zeigt (Taf. I, 14). Nur als Pförtner dagegen, als ein fremdem Götter-
dienst verknüpfter Eros, den die Palme in seiner Hand als Uranios kundgibt (Anm. 18),
erscheint Eros vor dem Tempel eines Borghesischen Reliefs („Filosofo sacrificante.” Ca-
nina Monum. Borghes. tav. 16 p. 59 s. ), worin zwar Nihby einen isthmischen Tempel
sammt einem Genius isthmischer Spiele erkannt und eine demselben durch Apollonius von
Tyana bezeugte Verehrung vermuthet hat; indefs spricht der Kopfputz der dem „Philoso-
phen” nachfolgenden Frau zugleich mit dem Pinienbaum eher für ein unter phrygisch-
sabazischen Gebräuchen gefeiertes Todtenopfer.
(71) Beisitzerinnen des viereckten Hermes und des spitzsäuligen Agyieus traten aus
dem beiden Göttern mythisch verknüpften Nymphendienst im Kultus vermuthlich erst all-
mählich hervor. Zeus ist in ähnlicher Spitzsäulengestalt neben einer gleich roh gebildeten
Artemis nachweislich (Paus. II, 9, 6), aber selbst im dodonischen Dienst ward Dione erst
verhältnifsmäfsig spät ihm beigeordnet, während der älteste dortige Kultus ausschliefslich
dem Zeus galt (Abh. Agathod. Anm. 67).
(72) Eros neben Tyche ist theils, wie oben Anm. 66 c bemerkt ist, in reifer Bildung,
theils auch knabenhaft zu denken, wofür es in noch vorhandenen Kunstdarstellungen (Taf.
I, 1. Mon. d. Inst. III, 6. Vgl. Abh. Agathod. Anm. 48) an Belegen nicht fehlt. Auch Ari-
stophanes spricht dafür, wenn er in einer bisher unverstandenen Stelle (Av. 1315) die
Wolkenburg seiner Vögel von Tyche sowohl als auch von dämonischen Stadtgenien, von
„Eroten der Stadt” schützen läfst, die wir kaum anders als in Knabenbildung denken können.
Ein ähnliches Paar von Flügelknaben erscheint in Minervens Umgebung vor einem Altar
in einem Karneol meines Besitzes.
(73) Eros UND Ilithyla. sind in der Sage des Oien (Paus. IX, 27, 2) verbunden, wo
Ilithyia — ohne Zweifel die nach Delos und von dort nach Athen gekommene hyperborei-
sche Göttin — des Eros Mutter hiefs. Vgl. Müller Dor. I, 243. 313.
(74) Eros der Artemis Kind. Cic. Nat. D. III, 23: Cupido primus Mercurio et
Diana prima nalus dicitur, secundus Mercurio el Venere secunda, tertius quidem est Anteros
Marte et Venere tertia. Vgl. III, 22: Diana Jovis et Proserpinae, quae pinnatum Cupidi-
nem genuisse dicitur. Die Gleichsetzung dieser Artemis mit Ilithyia wird einleuchtender
durch das äginetische Thonrelief (Mon. d. Inst. I, 18 2?. Welcker Ann. II, 65 ff.), auf
welchem Eros neben Artemis - Hekate auf einem Wagen steht, dessen Greifengespann ganz
wie Ilithyia auf hyperboreische Abkunft hinweist. Auch die Sepulkralgruppe eines Gräber-
Eros und eines Hekatebildes (Taf. II, 2) ist hier zu vergleichen. Somit kann auch der
neuerdings angewandte Satz, dafs Eros weder der Hera noch auch der Artemis Kind sei,
unmöglich zum Grund gereichen, um mit Röth (Ägypt. u. Zoroastr. Glaub. Anm. S. 57) für
die Abstammung des Eros von Ilithyia einen ausländischen und zumal ägyptischen Boden
zu suchen, dergestalt dafs Eros dort einem ägyptischen Iiarseph- Menth, einem Sohne von
Neith oder Pascht, gleichgesetzt wird.
über den Gott Eros.
27
«
(75) Apiiroditens Kind war Eros demnach, sofern die älteste Aphrodite den oben-
gedachten Göttinnen gleich ist: denn a ) der Tyche gleicht sie als älteste der Mören
(Paus. I, 19, 2) und selbst nach der Auffassung von Gemmenbildern, auf denen Venus mit
Füllhorn oder Ruder erscheint; der Ilithyia b) und Artemis aber als delische Aphro-
dite xpyjxlx (Paus. X, 40, 2. Callim. Del. 308. not. Müller Dor. I, 313. Vgl. die bacchi-
sche Venus-Flora mit Flügelknaben : Mus. Chiaram. I, 36. Ann. d. Inst. II, 347) und c) son-
stigen Kindspflegerinnen auch durch die Verbindung der verschleierten Aphrodite mit
einem Knäblein auf Münzen von Aphrodisias (Pellerin II, 66, 14).
(76) SAMOTHRAKISCHE Venus. Plin. XXXVI, 4, 7: Scopas ferit Venerem et Pothon
et Phaethontern, qui Samothrace vetustissimis caerimoniis coluntur. Vgl.Welcker Tril. S. 241 f.
Hyperb. röm. Studien I, 45. Prodr. myth. Kunsterkl. S. 167. Klausen Aen. I, 66 (nächt-
licher Dienst).
(77) Zwei Eroten pflegen als Uranios und Pandemos, Pothos und Himeros, nach He-
siod (Theog. 201) als Eros und Himeros Aphroditens Gefolge, besonders in Darstellungen
der späteren Zeit, zu bilden, wie römische Statuen (Clarac 620, 1406) und asiatische Münz-
typen (Pell. Suppl. II, 7, 1) es uns zeigen. Vgl. Anm. 5. Taf. IV, 3. Prodr. S. 229, 3.
(78) Chablaissche Herme: Gerh. ßildw. XLI. S. 286. Abh. über Venusidole (Berl.
Akad. 1843) Taf. IV, 1.
(79) Phaethon. So wenig die Gleichsetzung von Eros und Pothos (Anm. 7) streitig
sein kann, so sehr befremdet es, den Phaethon, der als Liebling Aphroditens und als ver-
muthlicher Morgenstern (Anm. 93) gerade auch der leuchtende Tempelknabe ihrer nächt-
lichen Feier (vv^iog Sxipiujv) ist, vielmehr erwachsen und mit apollinischem Attribut
zu finden. Dieser Umstand erklärt sich jedoch, sobald man die natürliche Verschiedenheit
einer zweifachen und einer dreifachen Gruppirung erwägt: die Begriffe des mythischen
Sonnenjünglings und des leuchtenden Tempelknabens, die dort vereinigt in einem einzigen
Dämon sind, erscheinen hier getrennt; jener Begriff aber eines dem Adonis entspre-
chenden Sonnenjünglings ist für Phaethon ebenso anerkannt (Welcker Tril. 241 f.) als, zumal
in der späten Entstehungszeit der chablaisschen Herme, die Gleichheit des Helios und des
Apollon.
(80) Auf KORINTHISCHEN MÜNZEN erscheint a) einzeln sowohl Helios und sein Wagen
(Mionnet II, p. 176. 180), als auch b ) Aphrodite (Eckhel D. N. 11,242), mit welcher zu-
weilen, obwohl selten (Mionn. II, 179, 232. 188, 301), c) Eros gepaart ist. Auf einem
berühmten Kamee korinthischer Darstellung (Eckhel P. gr. 14. Müller Denkm. II, 75) er-
scheint Eros auch als korinthischer Gott und als verbunden mit Melikertes. Nach Pausanias
II, 4, 7 waren Helios, Aphrodite, Eros dort vereint, so jedoch dafs Aphrodite bewaffnet,
Eros mit einem Bogen versehen war. Vgl. Prodr. S. 167, 10.
(81) Megarisciie Aphrodite. Paus. I, 43, 6: aycnk/za. iXetyctvTog ’A <j>po&T»j nenof/i/msvov,
npafyg £7io tovto £<TTtv xp%ouoTa.Tov ev ru) v&w. TIsiQuj <^s . . . (Folgen die Chariten und
Eroten des Praxiteles und Skopas Anm. 7).
(82) Asiatische Einflüsse dürfen für alle Beflügelung der griechischen Kunstgebilde
angenommen werden (Abh. Flügelgestalten S. 2), für den Eros noch mit dem besonderen
Grund seiner für Samothrake, Korinth, Kypros vorauszusetzenden dämonischen Geltung,
während in Thespiä die athletische und musische überwog.
(83) Hermes und Aphrodite dürfen nach jeder Form der wechselnden Sage Eltern
28
Gerhard
des Eros heifsen, obgleich keines der vorhandenen Zeugnisse die ursprüngliche Form wie-
dergiht. Vater des älteren wie des jüngeren Eros ist nach Cicero Hermes, Mutter des
einen wie des anderen Aphrodite nach Lactanz. Bei Cicero (Nat. D. III, 22) heilst es:
Cupido prirnus Mercurio et Diana prima nalus dicitur, secundus Mercurio et Venere secunda\
bei Lactanz 1,17: (Venus) ... ex Mercurio Hermaphroditum (d. i. den mannweiblichen
Eros vgl. Taf. II, 2), qui est nalus androgynus , ex Jove Ci/pidinem (d. h. den zweiten
Cupido des Cicero). Aufserdem weist auf dieselbe Abstammung eine auf Theseus, den
Gründer der Pandemos zu Athen (Paus. I, 22, 3), zurückgeführte athenische Statuenreihe
von Hermes, Aphrodite und Eros unzweifelhaft hin: «7 at’ky.a.Tct eiViv ’AQv)V/i<riv 'Ep/xov
ipifl v pi <r r ov xtt! ^EpuiTOC xou ’A(p p 0 $ 1 rv) 5, d.nep npiürog enoly^e Qyjasng . . . , wie bei
Bekker Anecd. p. 317 v. YtSupirr'/jg ’Epuvjg statt ’AÖ. ■v/'tfl. xa'ÜE p. xa.1 ’Acpp. xal’Epuou gelesen
werden mufs. Vgl. Paucker alt. Palladion S. 106.
(84) Kundschaft des Eros. Eros heifst Kind von Ilithyla (Anm. 73) oder von Ar-
temis (Anm. 14. Cic. N. D. III, 22: Diana Jovis et Proserpinae, quae pinnatum Cupidinem
genuisse dicitur ), die mit Hekate (Eros und Hekate: Mon. d. Inst. I, 18 B) zusammen-
fallt. Die Differenz jener Genealogien, als sei der älteste Eros von Hermes und Artemis,
der jüngere von Aphrodite und wieder von Hermes geboren, rührt wol nur daher, dafs
man die Identität der delischen Artemis und der ebendaselbst verehrten Aphrodite (Anm. 75b)
verkannte und deshalb Aphroditen, deren Ehe mit Hermes anderweitig feststand, erst als
Mutier des jüngeren Eros erwähnen konnte.
(86) Zeus und Hermes, beides Ösol dyopouoi, wechseln auch in der Paarung mit Per-
sephone- Axiokersa und fallen sonst öfters zusammen.
(86) Eros und Hermes, die auch Welcker (Ann. d. Inst. II, 79) einander gleichsetzt,
sind etymologisch durch übereinstimmende Wesen und Wortlaute, wie Eros, Iris, Eris, ferner
wie epp*, fto/zac, Hermes (vgl. auch Erichthonios und Erideinos: Rückert Troja 96 f.) mit
einander verbunden; auch wird ein Ilermeros, wie sonst die Hermen, als an Kreuzwegen
aufgestellt erwähnt (Anlli. Pal. IX, 440: iv TptoS'cutrtv).
(87) IMBROS. Steph. Byz. s. v. "ijußpog vijc rag e<rn Gpaxyg, iepcl Kaßeipwe jeal 'Epjuov, oY
*1 p.ßpu.u.cv ‘heyovtriv oi.Kdpeg. So wird nach Eustathius (ad Dion. Per. 524) und einem Theil
der Handschriften jetzt gelesen, dagegen früher ov "ipßpov (nach „alten Ausgaben” Welcker
Tril. S. 217) und Xeyovtri ptaxetpeg (ebd.) cilirt ward; piotxx psc, woneben, auch abgesehen
von karischer Sprachkennlnifs , der Artikel vermifst wird, findet sich in drei Handschriften.
Seltsam wäre es jedoch, wenn die gleichgeltenden Namen ''ly-ßpog und ''ipißp a. cro g für karisch
gelten sollten, da sie sowohl mit dem durchaus griechischen '(ptepog (Welcker Tril. 193.
217 f. Panofka M. Blacas p. 68) als auch mit dem lateinischen imber und der vom samischen
Flufs Imbrasos (Schwenk Andeut. S. 89. 273) benannten „Regengöttin” Here Imbrasia sehr
wohl stimmen. Übrigens erscheint Hermes auf den Münzen gedachter Insel ithyphallisch.
(88) Eros viereckt, gleich der ältesten Hermesbildung, ist im Ausdruck Hermeros
(Anm. 86) und hauptsächlich aus einem Chiaramontischen Relief (Taf. IV, 1) bezeugt, wel-
ches in Tempelansicht eine Venus mit Delphin vom hermenförmigen Eros begleitet darstellt.
(89) Tyrrhenische Pelasger: aus Samothrake sowohl und Athen (Herod. II, 51) als
auch aus Parion (oben Anm. 30) hinlänglich bezeugt. Vgl. Müller Orchomenos S. 438 ff.
(90) Eros DES Zeus Kind, nach Eurip. Hipp. 532: o'iov to rUg ’Acfj/JoiiVag Tqtnv ex y^epiüv
* Epuig 0 Aiog notig . . . Ebd. 538: " Epuura . . . rsY ra; ’Acppoäirxg <Jn Ktchtcv öa’Kotp.ujv x’hqSovftov.
über den Gott Eros.
29
Virg. Cir. 134: pater atque avus idem Juppiter. So auch Lactanz T, 17: (Venus) ex Jove
Cupidinern. Dagegen dürfte bei Maximus Tyr. X, 4, wo des Eros Abkunft von Poros und
Penia nach platonischer (Anm. 9) Sage vorausgesetzt wird, Sxivupevoig roT; ösot? sv Aio's rct;
’A<bpaOiTY\g 701 folg (statt rovg ’AcppoStryis ydpovg) mit Hecht vermuthet worden sein.
(91) Kora venusähnlich, hauptsächlich als Göttin Libera in unteritalischen Vasen-
bildern. Vgl. Prodr. S. 93 f. 229, 1. Oben Anm. 65.
(92) Demeter mit Aphrodite statt mit Kora verbunden ist aus Sikyon, Hermione
und sonst bezeugt (Paus. II, 11, 8. 37, 2. Prodr. S. 94, 102. 113 ff.)
(93) PiiAETHON, der Eos und des Kephalos Sohn, ward als Knabe von Aphrodite
entführt und ihr nächtlicher Tempeldiener (Anm. 79) nach Ilesiod theog. 987 ff. — nämlich
der Morgenstern, nach Hygin. Astr. II, 42. Vgl. Engel Kypros II, 644 ff. (Phaon ebd. 648 f.).
(94) Mysteriendämon der Kora-Libera, aus unteritalischen Vasenbildern allbekannt:
Böttiger Archäologie der Malerei S. 224 ff. Ritschl Aiin. d. Inst. XII, 189 ff. Gerhard
Apul. Vasenbilder S. II Sollte ein besondrer antiker Name ihm zustehen, so bleibt, da die
bezeugtesten cta.lp.ovec nepl Typ AtypociiTrp, Tychon und Gigon (Prodr. S. 238 f.), phallisch zu
denken sind, auch mancher andere Vorschlag („Teleles“ : Rochette Oresteide p. 180) unzu-
lässig ist, der Name Eros oder auch Pothos (Panofka T. C. S. 92 f.) der nächste und
natürlichste. Vgl. Anm. 96.
(95) Eros und Dionysos sind in ursprünglichen Kultusbezügen („Erosdienst neben
Dionysos und den Musen” pierisch: Eckerm. Mythol. II, S. 2) nicht bezeugt, obwohl sie als
Gottheiten verwandter Volksstämme manche Ähnlichkeit mit einander haben und in künst-
lerischer Gruppirung als Wein- und Liebesgottheiten guter attischer Zeit aus der Gruppe
des Thymilos (Paus. I, 20, 1) wie aus vermuthlichen Wiederholungen derselben (Gerhard
Bildw. XIX, S. 233 ff. Vgl. unsere Taf. I, 15) bekannt sind. Erst durch des Eros Zutritt
zu den Mysterien werden die besonders aus Gemmenbildern bekannten bacchischen Attribute
(Thyrsus u. a. in.) erklärlich, die er als neckischer Gegner des bacchischen Dämons Pan
und als Ministrant der Dionysosgemahlin Kora-Libera führt und im phantasiereichen Vor-
rath bacchischer Bildnerei auch in Verbindung mit Silen (ihn umschlingend: Campana Op.
plast. LI II, „Jacchus” als Jüngling) oder anderen bacchischen Wesen (Prodr. S. 238, 10)
bekundet.
(96) Eros MANN weiblich nach orphischer Lehre: S'icpvyc (Orph. H. LVII, 4. Panofka
T. C. S. 93) oder auch ovre 6tj \vg our ctpp-/]v (Alexis Athen. XIII, 562. Vgl. Taf. II, 4.)
Unter „Eros als Hermaphrodit auf apulischen und lukanischen Vasen” (Müller Handb. 392, 2.
Ritschl Ann. d. Inst. XII, 189 ff.) ist jedoch nur der bald entschieden mannweiblich, bald
nur weiblich (so auch M. Borb. VII, 8 trotz Quaranta) gebildete Mysteriendämon (Anm. 94)
zu verstehen, der aber auch in solcher Eigenschaft sterblichen Frauen nicht selten mit
Liebesgaben und schmeichelnder Bewegung sich nähert (M. Borb. VII, 8 und sonst), etwaigen
Nebenbezugs auf unnatürliche Männerliebe (Welcker Rhein. Mus. VI, 603. Ritschl Ann. d.
Inst. XII, 190) zu geschweigen. Unterschieden vom mystischen Hermaphrodit ist der ihm
voranschreitende Eros im Vasenbild unserer Taf. III, 2.
(97) Doppelzahl des mystischen Eros, zum Theil mit deutlichem Doppelgeschlecht,
so dafs Aphrodite selbst durch ihr Erotengespann (Millingen Uned. 1, 13. Vgl. Tischb.
IV, 5.) sich als Kora bekundet. Vgl. Prodr. S. 229, 3.
(98) Mannweiblich nach orphischer Ansicht ist sonst hauptsächlich Dionysos (Ö^Xu-
E
30
Gerhard
^.opipog Pliiloclior. fr. p. 21; cu oXc/xopcpog Orph. H. 50, 5. Creuzer Melet. I, p. 21. Unten
Anrn. 107), dem im Mises- Jacc ho s der Orphiker (Orph. H. 42) ein phrygisches, im
Tylos-Atys (Bull. Napol. VI, p. 12 f. 18 f.) ein lydisches, im gleichfalls mannweiblichen
(Ptol. Heph. 5. Vgl. Taf. II, 4) Adonis ein phönicisches Abbild entspricht. Sollte nicht
auch der beim Fackelfeste für ''Ar^g von Julian (Oratt. V, 179 B) erwähnte 'EncKfipooirog
'E p/U-/jg ebenfalls ein kpy.<y.<ppochTog sein? Vgl. Anm. 111 a.
(99) Attischer Ursprung ist für die italischen Vasen, Etruriens sowohl (Rapp. volc.
p. 104 s. Müller Handb. 99, 2) als Unteritaliens (Apul. Vasenb. S. I. Anm. 2) auch ohne
Annahme ihrer Einfuhr durchaus wahrscheinlich.
(100) Den HermäPHRODITISMUS nicht altgriechisch, sondern vielmehr asiatisch nennen
zu dürfen, obwohl er in thrakischen und eleusinischen Weihen anerkannt ward, genügt es
auf den mannweiblichen Bacchus phrygischer Sabazien, auf den kyprischen Aphroditos und
auf die Verkleidungen koischen Herkulesdienstes zu verweisen, während die griechische
Volksreligion von dergleichen ursprünglich nichts wufste. Vgl. Heinrich de hermaphrod.
p. I7ss.
(101) Als Attribute des Mysteriendämons (Anm. 94) sind zwar hauptsächlich die
aphrodisischen — Kranz, Binden, Fächer, Salbgefäfs — bekannt, aber auch bacchische, na-
mentlich das Tympanon, auch der Thyrsus (Gerh. Bildw. I, 44. Vgl. Panofka T. C. S. 92).
(102) ANDROGYNISCH ist hauptsächlich die Mondeskraft (auch nach Plato Symp. 190 B),
wegen ihres Antheils an der Sonne sowohl als an der Erde. Vgl. Lenormant Ann. d.
Inst. VI, p. 259 f.
(103) Ithyphallische Hermaphroditen: Heinrich de hermaphrod. p. 31 ff. Dem
dort ausführlich behandelten bärtigen amathusischen Aphroditos ( Hesych. s. v. Macrob. III, 8.
Serv. Aen. II, 632. Panofka Archäol. Zeitung I, 86 f. Rochette P. de Pompeji p. 137 ss.) ist
von asiatischen Gottheiten hauptsächlich der sabazische Dionysos gleichzustellen, der auch in
römischen Reliefs vielfach nachweislich ist (Gerh. Etrusk. Spiegel I. S. 70, 140). Ebendahin
gehört auch der phallische, obwohl bartlose, Hermaphrodit, der in zwei aus Griechenland
herrührenden Reliefs als Idol neben Aphrodite und Eros sich findet (Taf. IV, 2).
(104) Schlaffe Hermaphroditen, in denen die weichlichen Jünglingsgeslalten des
Deus Lunus oder Mensis (Eckhel D. N. III, 19. 507) zur Mischung von weiblicher Brust
mit unkräftigem männlichem Geschlechtstheil verbunden erscheinen, sind die berühmten
liegenden oder auch stehenden (Berlins Bildw. No. 111. Vgl. Bött. Amalth. I, 347 ff. Neapels
Bildw. S. 93 f. Rochette Pomp. p. 147 s. Archäol. Zeitung I, 5, i) Kunstgebilde der
verzärtelten griechischen Kunst (Müller Handb. 128, 2. 392, 2) samt und sonders.
(105) Eros hesiodisch. Irgendwo ist der Weltschöpfer Eros für nicht hesiodisch
gehalten worden, weil er nicht zeugt; man verkannte, dafs gerade der unentwickelte, der
Zeugung vorangehende, Urtrieb in ihm gemeint war.
(106) Eros mannweiblich und satyresk: Statue zu Neapel (Neapels Bildw. no. 427),
zu vergleichen dem satyresken Eros eines albanischen Reliefs (Zoega Bass. II, 88).
(107) Jacchos hermapiiroditisch, mit Greifen und Luchsgespann: Taf. III, 1. Ai(j>w]s
ÄuVsio; ''\uMfog ist orphisches Beiwort (Hymn. 42) für den phrygischen Mises.
(108) HERMAPHRODIT, einen Eros tragend, ist Gegenstand einer Chablaisschen
Marmorgruppe (Hyperb. R. Studien I, 102. Archäol. Zeit. IV, S. LXIV), wie auch eines
demnächst (Anm. 110) zu erwähnenden Uolonna’schen Reliefs.
über den Gott Eros.
31
(109) IlithyioS: als Jasions Sohn Lei Hygin Fab. 270 erwähnt. Vgl. Müller Orch.
S. 460, 3. Oben Anm. 73.
(110) Colonna’sches Relief, darstellend den von einem Hermaphrodit gehaltenen
Eros, der eine danebenstehende Bacchusherme bekränzt; dieser steht ein Idol der Göttin
Libera gegenüber. Bei neuester Erörterung dieses auf unserer Taf. II, 1 neu abgebildeten
Reliefs sucht Raoul - Rochette (Peint. de Pompeji p. 151 f.) in den gedachten Idolen von
Liber und Libera eine Verbindung von Pan und Juno Lanuvina — , in mythologischem
Zusammenhang fast wunderlicher als wenn Montfaucon auf seinem Standpunkt Philosophen-
bildnisse darin vernnilhete. Dagegen reihen sie als Axiokersos und Axiokersa der oben
begründeten Gruppirung der Gottheit Axieros und eines als Eros gebildeten Kadmilos
ungezwungen genug sich an, um eine bildliche Darstellung der von Mnaseas berichteten
samothrakischen Vierzahl (Schob Ap. Rh. 1, 917) uns zu gewähren.
(111) Hermaphrodit in viereckter Hermenform. Nämlich a) als Hermes, aber
durch den Modius weiblicher Erdgöttinnen (Taf. III, 5-7. Etwa der oben Anm. 98 aus
Julian erwähnte ’ErrcuppoS'iTOt; ’Ep/uyjg?) oder durch Doppelgeschlecht (Hermen mit Jovi Ter-
rninali: Taf. III, 3) von den gewöhnlichen Merkursbildern unterschieden, oder b ) als
Aphrodite, aber mit männlichem Glied und mit Angabe des Heroldstabes am viereckten
Schaft, wie im Hermenopfer eines apulischen Vasenbildes (Taf. III, 6 nach Bull. Nap. V, 4),
woneben als gleichgeltende, man weifs nicht ob viereckte, Bildung die als 'E p/uxtppoS'iTog
bezeugte kyprische Bartgöttin (Anm. 103) nicht zu vergessen ist. In gleicher Bedeutung
einer hermenförmigen Aphrodite ist dieser Name auch durch die Analogie von Hermerakles,
Hermathene und durch ähnliche Composita gesichert, deren irrthümliche Deutung auf Doppel-
köpfe von Hermes und Herakles, Hermes und Athene statt auf viereckte Herakles- und
Pallasbildung unter andern auch Rochette’s neuliche (Peint. de Pomp. p. 141 s.) Vermuthung
veranlafst hat, als sei in gewissen Paarungen männlicher und weiblicher Köpfe ein Doppel-
bild von Hermes und Aphrodite zu erkennen.
(112) Als Kultusbild erscheint der Hermaphrodit auf unsern Tafeln II, 4. III, 4. 5. 6.
IV, 2 nach Kunstdenkmälern, durch welche schwierigen Schriftstellen, wie die bekränzten
'Ep/u.ci(ppoätrot des Tbeophrast (char. 16) und wie der Wittwengang slg iEp/ua.(ppoä''iTov bei Al-
kiphron III, 37 es sind, nicht vorgegriffen wird. Vgl. Heinrich de hermaphrod. p. 8.
Welcher in Creuzers Studien IV, 214. Lobeck Aglaoph. p. 1007 und meine in den Hyperb.
Röm. Studien (Band II.) erscheinende Abhandl. Über die Hermen, wo dieser ganze Ideen-
und Bilderkreis weiter erörtert ist.
(113) Mysterien des Eros, namentlich in thespischem Dienst, wurden seit Buonar-
roti, Böttiger (Kunstmyth. II, 407 ff.) und Creuzer (Symb. IV, 161 ff. N. A.) gemeinhin
vorausgesetzt; dagegen hat hauptsächlich Jahn Ann. d. Inst. XIII, 290. Beitr. S. 124 ff. sich
erklärt. In der Aufzählung attischer Mysterien bei Aristophanes (Pac. 420) ist Eros über-
gangen; ebenso in der Reihe derjenigen Götter, denen nach Strabo (IX, 3, 10. p. 468 mit
Einschlufs der Musen) Orgiasmus zusteht.
(114) Mysterienvereine, wie die Stammtafel pelasgischer Göttersysteme in meinem
Prodromus S. 113 ff. sie anschaulich macht.
(115) PLATONISCH (Symp. 189 D) ist die Vorstellung von anfänglichen drei Geschlech-
tern, deren eines mannweiblich war, und von den Doppelkörpern die Zeus durchschnitt
und mit Apollo’s Beistand ausbildete (ebd. 190 D. E).
E2
32
Gerhard
(116) AlSTEROS, der im athenischen Altar Paus. I, 30, 1 als rächender Gott (ccX«.Vru>p,
deus ultor hei Ovid Met. XIV, 750. Vgl. Pint. Erot. 20) verschmähter Liehe erscheint, ist doch
auch mit gleichem und gröfserem Recht als Ausdruck erwiedernder Gegenliebe nachweislich
(Plat. Phaedr. 255 D. Vgl. Plutarch. Alcibiad. 4), deren Liebeskampf theils in der Ab-
leitung des Anteros als dritten Eros von Mars und Venus (Cic. N. D. III, 23), theils in
der palästrischen Gruppirung beider als Ringer (Paus. VI, 23, 4. Müller Handb. 391, 8)
unverkennbar ist. Dieser Wettkampf scheint denn auch in die bildlichen Sepulkralvorstel-
lungen des Eros übergegangen zu sein und ist nach manchen problematischen Anwendungen
jener Namen (Prodr. S. 263, 77 D. Vgl. Jahn Arch. Beitr. S. 155 ff. Gerhard. Arch. Z.
VI. S. 340, 8) vielleicht, wie auch Braun meint, am fiiglichsten in einem hie und da
durch gewöhnliche und durch Schmetterlingsflügel unterschiedenen (Prodr. S. 261. Jahn
Beitr. S. 183) Knabenpaar zu erkennen. Trauer der Liebesgötter bei Hochzeitsgebräu-
chen anzunehmen und bei Rochette Mon. pl. 42 A 2 zu erkennen, ist eine nicht weiter
begründete Annahme Welcker’s zu Miiller’s Handb. 391, 8.
(117) PSYCHE, für deren Verhältnifs zum Amor erst Apulejus als schriftlicher Zeuge
eintritt (Jahn Beitr. S. 123), ist in dessen Verbindung bereits auf den Wandmalereien Pom-
peji’s (Gerhard Bildw. LXI, besonders aber in römischen Marmorwerken (Jahn Beitr.
S. 163 ff.) und Gemmenbildern häufig zu finden. Vgl. Taf. I, 10. 11. Prodr. S. 245 ff.
Arch. Zeit. VI. no. 22. 23.
(118) Genien von Orten, Personen und Körperschaften sind, jene in Schlan-
gen-, diese in Menschengestalt, hinlänglich bezeugt (Müller Handb. 405, 6), dagegen die
auf menschliche Zustände und Thätigkeitcn statt deren sonstiger Personification (ebd. 406, 3)
mifsbräucblicb ausgedehnte und gemeinhin für Flügelknaben angewandte Benennung von
Genien — eine von Visconti Pio-Clem. V, 13 geduldete, von Zoega und anderen Forschern
oftmals gerügte, unter Künstlern und Kunstliebhabern noch immer unverwüstliche Vulgär-
benennung — nur als poetische Ausführung des Erosbegriffes, als Vervielfältigung des
Weltgeistes Eros in unzählige ihm gleichartige Menschengeister, einige Rechtfertigung
verdient.
(119) Eros als Grabesdämon, mit Aphrodite und Dionysos: Relief aus Pantikapäon,
abgebildet auf unsrer Tafel II, 4.
(120) Todes- und Todtendämon, nach der in meinem Prodromus S. 245 ff. begrün-
deten Unterscheidung.
(121) Dafs Psyche nur EROTISCH, nicht sepulkral oder mystisch zu fassen sei, meinte
Jahn Beitr. S. 124 ff.
(122) Den Ursprung des Psychemythos pflegte man seit Buonarroti in thespischen
Mysterien zu suchen, eine Ansicht der Jahn (Beitr. S. 124 ff.) nur in so weit widerspro-
chen hat, als er überhaupt von Erosmysterien (Anm. 113) nichts wissen will. Aber auch
in Tliespiä w'O kein uns bekannter Umstand dafür, die böotische Männerliebe und Agonistik
eher dagegen spricht, bin ich weit weniger geneigt die Quelle jenes Mythos zu suchen,
als im Zusammenhang cerealisch -aphrodisischer Mysterien, wie solche aus Samothrake
und Korinth theils die Befliigelung des Eros uns zuweisen (Anm. 64), theils auch einen
gröfseren Spielraum des Seelenlebens voraussetzen lassen, auf dem jener Mythos beruht.
über den Gott Eros.
33
9
Erklärung der Kupfertafeln.
I. Bildungen des Eros.
1) Eros als geflügelter Jüngling, stehend, mit phrygischer Mütze, durch die
daneben sprossende Pflanze als Weltschöpfer bezeichnet. Die kosmische Bedeutung der in
ähnlichem Styl auf gleichartigen Werken befindlichen Zeichnungen spricht für diese an und
für sich nicht augenfällige Erklärung. Die Kopfbedeckung ist aus einem ganz ähnlichen
Exemplar ergänzt. Etruskische Spiegelzeichnung: Gerhard Etr. Spiegel I, 31,5 (vgl. 4),
nach Inghirami Mon. Etr. II, 13 (vgl. 52).
2) Eros als Weltschöpfer ist vermuthlich auch in dieser geflügelten und bacchi-
schen Gestalt eines Knaben gemeint, welcher mit beiden Armen sein Gewand öffnet, etwa
um seine Männlichkeit blicken zu lassen, wie ähnliches bei liegenden Hermaphroditen be-
merkt wird. Thonfigur, unten verstümmelt, im Königl. Museum zu Berlin.
3) Eros als Kampfgott: ein geflügelter, mit Stirnschnur geschmückter und in eili-
gem Lauf begriffener Knabe, welcher dem von ihm beschützten Kämpfer in der erhobenen
Rechten eine Blume, in der Linken aber eine Leyer entgegenhält. Die Ähnlichkeit, welche
i Eros in dieser Beziehung mit Hermes hat, wird hier noch durch Befliigelung seiner Füfse
erhöht. Spiegelzeichnung eines jetzt vermuthlich im brittischen Museum befindlichen Ori-
ginals, nach Caussei Mus. Rom. II, 19. Gerhard Etr. Spiegel I, 120, 2 (vgl. 1).
• 4. 5) Priapischer Eros: Brustbilder eines Flügelknaben, dessen Brust bei umge-
kehrtem Standpunkt als Phallus erscheint. Nach Gemmenbildern, in doppelter Gröfse (wie
auch die nachfolgenden) gezeichnet, deren erstes einem schönen Karneol der Thorwaldschen
Sammlung gehört: Müller Descr. III, no. 440.
6) Eros Uranios und Pandemos: jener stehend mit einer Maske in der linken
und einer gesenkten Fackel in der rechten Hand, dieser ihm gegenübersitzend und eine
cerealische Schlangencista eröffnend (*). Zeichnung eines vermuthlich zu Florenz befindli-
chen Gammeo.
7) Cerealischer Eros, sitzend auf einer geöffneten Cista; statt der gewöhnlich
daraus hervortretenden Schlange ist hier nur eine sonst nicht übliche Schleife zu erkennen.
In seiner Linken hält er eine Fackel ausgestreckt, vermuthlich zur Läuterung eines in seiner
Rechten vorauszusetzenden Schmetterlings. Glaskamee im Besitz des Herausgebers.
') Wie hier einerseits die Cista, anderseits Maske und Fackel den Uranios vom Pandemos
zu unterscheiden scheinen, wird dieser oben Anm. 8 behauptete Gegensatz auch durch den wechseln-
den Kunstgebrauch anderer Gemmenbilder bestätigt, in denen einer der Eroten die Leyer, der andre
eine Traube (Impr. d. Inst. II, 52) oder auch eine umgekehrte Fackel (ebd. II, 53) trägt. Auch auf
die Gruppirung eines an die Grabesstätte gefesselten Eros mit einem andern, der einen Schmetterling
haltend die Seelenverbindung und Seelenqual fortsetzt (Impr. d. Inst. II. 55), dürfte derselbe Gegensatz
anwendbar sein.
*
34
Gerhard
8) Rogenspannender Eros in älterem Styl. Gcmmenbild nach der stark ver-
gröfserten Zeichnung hei Millin Mon. II, 1. Gal. XLV, 191.
9) Bogenspannender Eros in hermaphroditischer Bildung. Gemmenhild, nach
Caylus Recueil V, 20, 1. Gal. di Firenze I, 20, 1.
10) Eros als Seelenlenker: auf einem Schmetterlinge dem Bild der Seele stehend
und mit dem einen Fühlhorn denselben zügelnd, während das andere widerstrebend abwärts
geneigt ist. Nach einem Gemmenahdruck.
11) Eros seelenläuternd. Der Flügelknabe Eros hält einen Schmetterling mit der
Rechten über die Flamme eines Räucherbeckens, während die andere ans Haupt gelegte
Hand seine Betrübnifs kundgibt. Nach einem Gemmenabdruck.
12) Eros als Kampfgott mit gekreuzten Beinen behaglich stehend, indem er sich
auf eine umgekehrte Lanze stützt. Nach einer Glaspaste.
13) Eros in einem Grabmal. Als Grabmal, in Art der aus Grabreliefs und aus
Vasenbildern bekannten Heroen, läfst auch der auf zwei Säulen gestützte kleine Tempel
sich betrachten, in dessen Giebel wiederum eine Meerzwiebel oder ein ähnliches Wucher-
gewächs und in dessen Innerem ein Flügelknabe mit einem ähnlichen Gegenstand in seiner
Hand zu erkennen ist. Grüne gestreifte Glaspaste im Besitz des Herausgebers.
14) Bacchus und Amor. Auf einer Erhöhung stehend, die ihn als Idol erscheinen
läfst, wird ein ungeflügelter (Anm. 56) mit Pfeil und Bogen versehener Knabe von einem
Jüngling umfafst, dessen behaglicher Wuchs und Ausdruck zugleich mit bacchischer Stirn-
binde über seine Bedeutung kaum zweifeln läfst und dem zufolge den langen von seiner
Linken aufgestützten Stab auch ohne die übliche volle Bekrönung für einen Thyrsus zu halten
gestattet. Nach einer Glaspaste, mit welcher das Gemmenhild eines ähnlichen, etwa von
Hymen (einem geflügelten und strahlenbekränzten Jüngling) umfafsten flügellosen Fackel-
trägers Amor bei Müller Denkm. d. a. K. V, 451 zu vergleichen ist.
15) Eros im Gewächsreich. Der als Weltschöpfer bekannte Flügelknabe, dessen
orphische Ableitung aus einem Weltey vielleicht, gleich des Adonis Geburt aus dem Lattich,
mit andern mythischen Ableitungen aus üppigem Pflanzenwuchs (Anm. 17) wechselte, wofür
in Granat- und Lotushlüthe hie und da Andeutungen sich finden, tritt hier aus einer Meer-
zwiebel hervor und hält wildes Gesträuch in beiden Händen, welches zugleich mit den am
Boden vertheilten Palmzweigen am wahrscheinlichsten einen Eros der Gräber in ihm er-
kennen läfst, wie er über Akanthos und ähnlichen Wucherpflanzen auch an unterilalischen
Gräbervasen (Gerhard apul. Vasenb.Taf. III. Vgl. S. IV, 26.) sich findet. Gestreifter Achat
der Demidoffschen Sammlung: Impr. d. Inst. II, 44. Vgl. oben Anm. 17. 26.
16) Eros in gnostischer Vorstellung. So bezeichnen wir einen geflügelten, von Mond
und Sternen umgebenen, am Haupt mit dem Modius der Erdgottheiten bedeckten Jüngling, der
mit ausgebreiteten Armen Fesseln hält für eine von ihm zu Boden getretene und nach ihm
aufschauende löwenköpfige Schlange. Nach einem Gemmenabdruck. Vgl. oben Anm. 19.
II. Hermes und Aphrodite.
1) Hermaphrodit den Eros haltend, welcher eine ithyphallische Herme des
bärtigen Dionysos bekränzt; ein Idol der Kora-Libera, mit Rehfell über langem Gewand
und mit einem Reh auf den Schultern, steht linkerseits gegenüber. Im Hintergrund ist ein
Rundbau mit Balaustium sichtlich, woran gekreuzte Fackeln geheftet sind, vielleicht ein
über clcn Gott Eros.
35
aphrodisisches Heiligthum; weiter rechts, durch einen ästigen Platanus oder Eichbaum ge-
trennt, ein zierliches einhenkliges Deckelgefäfs auf ionischer Säule, vielleicht ein Preis
dionysischer Spiele. Grofses Marmorrelief im Palast Colonna zu Rom. Nach Montfaucon
Anliq. Suppl. I, 88. Gerhard Bildw. Taf. XLII. S. 287 f. Vgl. Heinrich hermaphrod. p. 37.
Rochette Peint. de Pompeji p. 151 f. Oben Anm. 110 (Axieros).
2) Hermes und Aphrodite einander gegenüberstehend , sie halbbekleidet und ihr
Gewand zierlich lüftend an einen Pfeiler gelehnt, er mit Heroldstab, Flügelhut und ange-
stemmtem linken Arm in ernster Haltung, wie mit Götterbotschaft ihr nahend. Zwischen
beiden eine wie mit Halbmond und mit geschmückter Krone verzierte Säule, an welcher
eine kleine Jünglingsfigur, nackt und ithyphallisch, in der linken Hand etwa einen Palmzweig
haltend, angelehnt ist, vermuthlich Priapos(*), wenn nicht vielleicht weibliche Brüste
vorhanden und für die wahrscheinlichere Annahme eines Hermaphroditen — in Überein-
stimmung mit Lactanz I, 17: Venus ex Mercurio Hermaphrodit um qui est natus androgynus.
Oben Anm. 83 — entscheidend sind. Wandgemälde: Mus. Borbon. I, 32.
3) Hermes und Aphrodite. Die Göttin sitzend und entkleidet blickt mit über
das Haupt gelegtem Arm auf den ihr gegenüberstehenden, durch Caduceus und Petasus
kenntlichen, Hermes. Zwischen beiden steht auf einer Säule zwischen Bäumen ein Knabe
den man für das Kind ihrer Liebe (vgl. no. 2) halten möchte, wenn auch der vermuthliche
Thyrsus in seiner Hand eher auf Dionysos rathen läfst. Kamee des brit. Museums no. 315.
4) Aphrodite, Hermengott, Eros. Aphrodite, nackt aber mit Stirnkrone ge-
schmückt, sitzt nachdenklich und von der übrigen Darstellung abgewandt auf Felsengrund,
hinter ihr eine bärtige Herme, die ihrem Modius zufolge eher für Dionysos als für Her-
mes zu halten ist. Am Schaft dieser Herme steht mit gekreuzten Beinen, den rechten
Arm angestemmt, den linken hoch anlehnend (wie sonst an einen Baumstamm), ein den
) bekannten Todtengenien ähnlicher Flügelknabe. Die hiedurch wie durch den Bezug auf
bacchische Todtenfeier und auf Venus -Libitina begründete Sepulkralbedeutung des Ganzen
wird unten am Boden noch verstärkt durch zwei in Relief daselbst angebrachte von Del-
phinen getragene und auf die Meerfahrt der Todten bezügliche Flügelknaben. Gruppe von
Thon aus Pantikapäon, nach einem von Aschik mitgetheiiten und in dessen russischem
Werk über dortige Alterthümer gegenwärtig veröffentlichten Zeichnung.
5) Aphrodite und Hermaphrodit. Die Göttin, in weitem Peplos welcher vom
Oberleib abgestreift ist, umarmt sitzend einen neben ihr stehenden ungeflügelten Knaben
dessen Bildung als hermaphroditisch versichert wird, vermuthlich Adonis. Schöne attische
Gruppe von Thon, nach Stackeiberg Gräber d. Hell. Taf. LXI.
III. Hermaphrodit.
1) Bärtiger Hermaphrodit, nach Beflügelung und etwaniger Schleuder in der
Rechten der bärtigen F ortuna römischen Dienstes gleichzustellen, zumal geflügelte Fortunen
') Priapos, nach der gewöhnlichen Sage Aphroditens Kind von Dionysos, heifst doch auch Sohn
des Hermes (bei Hygin fab. 160) oder eines langohrigen Gottes (Macr. Sat. VT, 5), nämlich des Pan.
Dem Hermaphrodit gleichgesetzt war er bei Mnaseas: Mvaceag ‘Eppiacppo&iTov toY Tlplanov Xeysi (Schol.
Lucian D. D. xxxiii, wo Andre toY Tlptanov 'Epja. lesen. Vgl. Bull. Nap. V. p. 3S). Jugendliche Bil-
dung desselben Gottes machte noch neuerdings Welcker für ein pompejanisches Wandgemälde (Ternite
I. Taf. IV. B. Pitt. d’Erc. II, 24) geltend; weibischer Kopfputz ist bei ihm gewöhnlich.
36
Gerhard
in Werken gleicher Kunstgattung häufig sind. Männlich sind Bart und Brust, das Übrige
weiblich. Etruskische Spiegelzeichnung nach Inghirami Mon. Etr. II, 12. Gerhard Etr. Spiegel
I, 31, 2 („Bärtige Fortuna“).
2) Hermaphrodit, dem Eros vorangeht, lenkt auf einem Wagen stehend ein
Gespann, welches aus bacchischem Panther und apollinischem Greif zusammengesetzt ist.
Aus einem unteritalischen Gefäfsbild. Tischb. III, 22. Gerhard Bihlw. CCCXIII, 3.
3) Hermaphrodit, als viereckte Herme mit Andeutung seines Doppelgeschlechts
am Schaft; der in Gewand gehüllte Oberleib erscheint männlich. Die im Schaft befindliche
Weihungsinschrift eines M. Valerius Antonius Antico eignet diese Herme dem Juppiter
Terminalis zu. Marmorherme des Grafen Mangelli zu Forli. Nach Annali d. Inst. XIX,
327 ff. pl. S. Ygl. Borghesi Bull. 1831 p. 182 ss.
4) Hermaphrodit, angelehnt in rechtshin aufschauender Stellung, die Beine gekreuzt,
in der linken Hand ein offenes Schmuckkästchen hallend. Nebenfigur eines grofsen gegen-
wärtig im Museum zu Turin befindlichen Yasenbildes, welchem der Hermaphrodit als hoch-
zeitlicher Gott beigesellt zu sein scheint. Nach Gerhard griech. Mysterienbilder Taf. V.
(„Brautwerbung”). Prodr. S. 380 f. Vgl. oben Anm. 112.
5) Hermaphrodit in viereckter Hermenbildung, so zu bezeichnen nach der für
ähnliche Hermen mit Modius und schlaffer Männlichkeit oben Anm. 111 a gegebenen Bestim-
mung, obwohl Braun (Ann. IX, 249 f.) wegen der Verbindung mit Pan und Aphrodite
vorzog einen Eros darin zu finden, dessen öftere Verbindung mit Pluto (?) auch den Modius
rechtfertige. Aus der Bellerophonsvase im Museum zu Karlsruhe: Mon. d. Inst. II, 50.
Ann. IX, 249 f.
6) Hermaphrodit als viereckte Herme mit Frauenkopf und mit Andeutung
männlichen Gliedes; am Schaft ein Ilermesstab. Vor dieser Herme steht ein Altar, dem
ein Silen mit Thyrsus und Trinkhorn sich nähert; anderseits (hier ebenfalls weggelassen)
eine Bacchantin. Vasenbild eines Oxybaphon nach Bull. Napol. V, 4, von Minervini erklärt
p. 36 ff. Vgl. ebdas. Cavedoni p. 72.
7) Hermaphrodit, ebenfalls hermen förmig, am Schafte schlaff männlich, durch
Modius auf dem Haupt als weiblich bezeichnet. Erzfigur im Kgl. Museum zu Berlin.
IV. Dämonen der Aphrodite.
1) Venus und Hermeros. Neben der vom Delphin begleiteten Göttin steht eine
ungeflügelte Erosherme, beides als Idole eines von Säulen eingeschlossenen Fleiligthums.
Marmorfragment eines Reliefs im Museo Chiaramonti
2) Hermaphrodit in einer Höhle, von Aphrodite und Eros umgeben; von
letzterem sind nur die Füfse erhalten. Das gedachte Kultusbild — bartlos, aber bei weiblichen
Brüsten und langem Gewand, welches der Gott mit beiden Händen öffnet, ithyphallisch
gebildet — befindet sich in einer Felshöhle, neben welcher die ungleich gröfsere Figur
der Göttin steht; diese ist vollständig bekleidet, die rechte Schulter entblöfst, ihre Bewegung
wegen abgebrochener Arme ungewifs. Griechisches Relief im Königl. Museum zu Berlin;
ein ähnliches glaube ich im Münzkabinet zu Paris bemerkt zu haben. Vgl. oben Anm. 103.
3) Venus-Urania mit zwei Flügelknaben, deren einer die Fackel, der andre
den Bogen hält. Die Göttin ist mit Stirnkrone und Peplos angethan; sie scheint ihre San-
dale vom linken Fufs ablösen zu wollen. Als bedeutsame Attribute sind Delphin und
37
/
*
über den Gott Eros.
4
Hammer (neptunisch und vulkanisch), Spiegel und Fackel, Stirnkrone und Bogen, Becken
und Syrinx ihr zur Seite^kunstreich aufgesclufhtet. Erzfigur von Millingen bekannt ge-
macht und auf Venus-Urania gedeutet (Transactions of the Royal Society of literature
Ser. II. Vol. I. p. 62 ff.).
4) a. b. c. Eros, Apoll und Aphrodite, den von Plirn’us erwähnten samothraki-
schen Gottheiten Pothos, Phaeihon und Venus entsprechend. Untere Trias der zuletzt in
meiner Abhandlung über Venusidole (Berl. Akad. 1843) Taf. IV, 1-3 nach meinen Antiken
Bildwerken Taf. XLI abgebildeten Cbablais’schen Herme.
5) Venus und Adonis. Die Göttin, Tiplianati benannt, sitzend auf einem Sessel
unter welchem eine mystische Cista sich befindet, spielt mit dem Fliigelknaben Adonis,
dessen Name beigeschrieben ist ( Atunis ), um eine Taube. Zwischen beiden ist ein Baum
oder eine Staude bemerklich. Spiegelzeichnung im Besitz des Herausgebers. Gerhard
Etr. Spiegel I, 116.
6) Venus auf ihrem Schofs einen ganz ähnlichen Fliigelknaben, nach dem vorigen
Bild eher Adonis als Amor, haltend; auf ihrer Rücklehne eine abgewandte Taube. Nach
Guattani Mon. ined. 1787 p. 29. Röchelte Mon. pl. LXXVI, 3. Gerhard Etr. Sp. I, 117.
V. Eros »er Tobten.
1) Sitzender Eros mit einem Rosenkranz umgürtet; in reifer Jünglingsbildung
mit grofsen Flügeln. Untcritalische Thonfigur, in zwei Drittheil der originalen Gröfse
gezeichnet, im Besitz des Herausgebers.
2) Eros und Todesgöttin. Krug und Binde, vielleicht auch mit dieser eine ge-
senkte Fackel haltend, steht ein mit Stirnband geschmückter Eros zu einem Todtenopfer
bereit vor dem Idol einer, wie Hekate kurzbekleideten, am fiigl ichsten als Kora-Libera
zu benennenden, Göttin mit Modius, gesenkter Fackel und an die Brust gedrückter Blume.
Unter dem Opfertisch, worauf sie steht, ist ein Hahn zu chthonischem Opfer, nebenher ein
mit Früchten gefüllter Kalathos zu bemerken. Grofsgriechisches Thonrelief, nach Gerhard
Bildw. Taf. LXX V, 1. S. 313 f.
3) V e n us - L i b i t i n a , im euphemistischen Ausdruck der unbekleideten Schönheits-
göttin, welche ihr Haar ordnet, während Eros ihr einen Klappspicgel enlgegenhält und
und die menschliche Seele als Schmetterling nebenher angedeutet ist. Karneol der Stoschi-
schen Sammlung: Winckelm. Descr. II, 530.
4) Eros in Hermen form unterwärts endend, hält als S ee I e n 1 äu terer dem in
seiner Linken gehaltenen Schmetterling mit der Rechten eine Fackel entgegen. Glaspaste
der Stoschischen Sammlung: Winckelm. Descr. II, 890.
5) Bacchischer Eros, ebenfalls von archaischer Zeichnung, beschäftigt eine schlanke
und spitze Amphora in ein darunter stehendes gleichfalls spitzes aber geräumigeres Gefäfs
auszugiefsen. Im Kgl. Museum zu Berlin: Tölken Beschr. 11,111.
6) Eros mit Grabesspenden, die er in einer Schale auf ähnliche Weise vor sich
hält, wie die unter no. 7 nachfolgende Venus Lihilina. In steifer und alterthiimlicher Hal-
tung den Gemmenbildern no. 4. 5 entsprechend. Sloschischer Karneol : Winck. Descr. II, 788.
7X Venus Lihilina, eine Schale mit beiden Händen fassend; neben ihr links ein
bacchischer Rehslamm, rechts ein Preisgefäfs mit Siegespalme. Häufige und anderwärts
(Kunstblatt 1827 no. 69. 70. Prodr. S. 231 f.) mehrbesprochene Darstellung, nach einem
F
38
Gerhard über den Gott Eros.
Smaragd -Praser der Stoschischen Sammlung: Winck. Descr. II, 1466 („Ariadne”). Tölken
Verz. HI, 976 (Methe).
8) Gräber-Eros, an einer Grabessäule Schmetterling und Fackel zur Seelenläute-
rung haltend. Stoschische Glaspaste: Winck. Descr. II, 887. Tölken Verz. III, 702.
9) Gräber-Eros, an einer mit Kugel (nach Tölken der Muse Urania) bekrönten
Säule die Rolle des Geschickes lesend. Smaragd -Praser der Stoschischen Sammlung mit
Revers einer Procula rarissima: Winck. Descr. II, 773. Tölken Verz. V, 196.
10) Rrustbild eines Amor, der einen Schmetterling andrückt. Gemmenbild einer
in dieser Kunstgattung häufigen Darstellung: nach einem Gemmenabdruck.
11) Venus Libitina, auf das Kapitell einer Grabessäule hoch auftretend, liest in
einer Schicksalsrolle. Nach einer Gemmenzeichnung im archäologischen Apparat des Kgl.
Museums fol. 67 i.
12) Gräber-Eros die Psyche bindend, die als erwachsenes Mädchen an einer
mit Kugel bekrönten schlanken Säule steht. Im archäologischen Apparat Vol. II. fol. 68 m.
— (Q'
9
/t<v. JfäryU.Jfi'. /(Uff.
'/}>,/. ' m.
i
iov.TERM
VaL'ANT
AUlVtOh
V L.SVf
OOÜ
{?
7r///r. ',///// t<r sr.
utdr. Jatöni/7 sr.
3 0112 061613284